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Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (21.1959, Jahresband, Ortsgeschichte von Egringen)
1959
Seite: 21
(PDF, 61 MB)
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Für eine ausreichende Versorgung des Dorfes blieb daher kein anderer Weg,
als das Grundwasser in den Niederterrassenschottern der benachbarten Rheinebene
zu nutzen, wie dies auch in den Nachbargemeinden Efringen-Kirchen, Fischingen
und Eimeidingen seit längerem der Fall ist. Die Versorgung des Dorfes ist an die
Gruppenwasserversorgung Efringen-Kirchen angeschlossen worden.

Von Interesse sind auch die Baustoffe, welche im Dorf durch Jahrhunderte
Verwendung gefunden haben. Sie stammen nicht aus der Gemarkung selbst.

Das Material zum Bau der älteren Häuser des Dorfes ist immer ortsfremd. Diese Häuser,
meist aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, zeigen im allgemeinen ein nur grob
gefügtes Bruchsteinmauerwerk aus kaum oder nicht behauenen Steinen; nur die Ecksteine
sind gelegentlich sorgfältiger bearbeitet. Neben einzelnen Rheingeröllen, älteren Ziegelbruchstücken
oder kleinen Bruchstücken von Buntsandsteinen, wie sie beim Verarbeiten der
Werksteine anfielen, die alle als Flickmaterial angesehen werden können, wurden durchweg
nur Kalksandsteine und Konglomerate, seltener Kalksteine (meist knollige Süßwasserkalke)
des Alttertiärs (Stufe des Sannoisien9) verwendet. Jahrhundertelang wurden diese Gesteine
in Gruben unterhalb der Pritsche, am Leuselberg, über Efringen, aber auch bei Holzen und
Hammerstein gebrochen. Woher jeweils das Material im einzelnen stammt, ist nicht immer
einfach festzustellen. Fenstereinfassungen, Türstürze und dergleichen sind meist aus schönem
, rotem Buntsandstein gehauen, den man aus dem mittleren Wiesental bezogen haben
wird (so ein Torbogen von 1776, Türsturz von 1782, ebenso in Haus Nr. 70 von 1773,
eingemauerter Stein mit Jahreszahl 1766 in Haus Nr. 69). Vereinzelt wurde Buntsandstein
auch für Gartenpfosten verwendet, so beim Eckgarten am Weg zur Mühle.

In den Fluren der Häuser sieht man mitunter die schönen, leicht rötlichgelben Sandsteinplatten
(Sannoisien), bedeckt mit zahllosen Abdrücken der Muschel Mytilus socialis, wie
sie besonders aus den Gruben im Lettenhölzle bei Hammerstein vertrieben wurden.

Ein Schmuck der beiden Ortsstraßen sind die Brunnen. Ihre Stöcke (untere Ortsstraße
: 1831, 1833; obere Ortsstraße: 1833, 1852) sind aus hellrötlichem, feinkörnigem
und feinglimmerigem Buntsandstein. Es sind Stücke, die einen fast serienmäßigen Eindruck
machen und in den Brüchen wohl auch in Serie hergestellt wurden. Schöner und materialgerechter
sind die aus dem gleichen Steinmaterial gearbeiteten Tröge, in der oberen Ortsstraße
je zwei Tröge, je einer mit den Jahreszahlen 1779 und 1783. Die Stöcke zeigen im
Gegensatz zu den Trögen deutlich den Zeitstil. Ein fünfter Brunnen steht westlich vor dem
Dorf bei der ehemaligen Burg, mit der Jahreszahl 1764; er ist offenbar der älteste. Alle
Tröge bestehen aus einem Stück bei oft ganz ansehnlichen Maßen.

Die Straßen sind in den Rinnen meist mit geköpften Rheingeröllen gepflastert. Große
Platten aus tertiärem Kalksandstein dienen hier wie anderwärts als „Brücke" über kleinere
Wassergräben, so auch über den Mühlbach am Fußweg vom Dorf zur Feuerbachbrücke
unterhalb der Mühle. Auch Randsteine und Abweissteine dieser Brücke bei der Mühle sind
aus Kalksandstein, aber behauen.

In neuerer Zeit sind allgemein Kunststein und Beton in Verwendung gekommen. Nur
das derzeitige Rathaus, das noch ein Hausteinmauerwerk besitzt, macht eine Ausnahme.
Es hat einen Sockel aus Wiesentäler Buntsandstein und ein aufsteigendes Hausteinmauerwerk
aus hellgraugrünlichen Molassesandsteinen aus dem Berner Land.

Verwertbare Bodenschätze finden sich auf der Gemarkung nicht. Auch nutzbare
Steine und Erden sind kaum vorhanden. Gelegentlich hat man die
Molassesande gegraben, vielleicht auch als Gießereisande. Laibsteine der Molasse
findet man wiederholt als Abweissteine an Wegen oder als Gestück verwendet;
die wegen der großen Härte schwierige Bearbeitbarkeit dürfte weitergehender
Verwendung zumeist im Wege gestanden haben. Indessen ist eine „Steingrube"
am Läufelberg, und zwar gegen den Kapf, urkundlich schon 1373 belegt (Schülin).

einen Durchfluß von 9 m3/sec. (SAYER, C: Die Wassermengen der fließenden Gewässer
im Großherzogthum Baden. — Beitr. Hydrographie Großh. Baden. Heft 8. 1893.)

9 Die Stufe des Sannoisien ist nach Sannois, einem Ort in der NW Bannmeile von Paris,
benannt. Die Schichtfolge des Sannoisien liegt unmittelbar unterhalb der Folge des auf
unserer Gemarkung vertretenen Stampien.

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