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Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (21.1959, Jahresband, Ortsgeschichte von Egringen)
1959
Seite: 31
(PDF, 61 MB)
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strahl, der den Kaiser traf, gewahrten die Wirkung durch den Abfall vieler Großen
des Reiches, vor allem des Grafen Rudolf von Rheinfelden, der als Schwager des
Kaisers zum Schwabenherzog erhoben worden war. Sie mußten erleben, wie der
aus dem zähringischen Hause hervorgegangene Bischof Gebhard von Konstanz
in päpstlichem Auftrag die abgefallenen Herzöge im Kampf gegen den Kaiser
leitete, unter denen sich auch Herzog Bertold II. von Zähringen befand. Der Abt
Ulrich von Eppenstein in St. Gallen war aber dem Kaiser treu geblieben und trat allen
Versuchen, ihn auf die Seite der rebellischen Fürsten zu ziehen, mutig entgegen.
So fielen diese denn über den St.-Gallischen Besitz her, der weit zerstreut im Lande
war, nahmen ihn weg und fügten ihn ihrem eigenen Gebiet zu. Auf der Seite der
Anhänger des Papstes standen auch die freien Herren von Rötteln. Doch die Städte
und die Bauern waren dem Kaiser treu geblieben. Bäuerliche Scharen verbluteten
in mörderischen Kämpfen im Schwaben- und Frankenland unter den Schwertern
der gegenkaiserlichen Herren. Daß gerade Schwaben und Franken aufstanden,
können wir begreifen, denn hier lag das Hausgut der salischen Fürsten, die damals
die Reichskrone trugen.

Der Kaiser raffte sich auf. Vom Banne gelöst, trat er mit seinen Anhängern den
Empörern entgegen und in einen Krieg ein, der in seinem Lauf und seinen Nachwirkungen
30 Jahre währte und 1111 zu Ende war. Von nun an besaß der Kaiser
nicht mehr das alleinige Recht, über die Einsetzung der Erzbischöfe und Bischöfe
zu bestimmen, obwohl diese auch weltliche und politische Aufgaben im Auftrag
des Kaisers auszuüben hatten und drei aus diesem geistlichen Kreise die Kanzleien
des Reiches leiteten. Damit war die Axt an die Wurzeln des Reiches gelegt, das
Otto der Große im Jahre 962 aufgerichtet hatte.

Während St. Gallen große Verluste zu tragen hatte, trat St. Blasien aus seiner
Schwarzwaldeinsamkeit an der oberen Alb heraus und gewann im Rebland und im
oberen Wiesental wertvollen neuen Besitz. Es waren die Rittergeschlechter von
Kaltenbach, von Wart, von Waldeck u. a., die hinter den Klostermauern den
Frieden und das Heil für ihre Seele suchten. Ihre Güter vermachten sie der großen
Abtei der Benediktiner. Diese errichtete Propsteien als Verwaltungssitze im
Bereich dieser Güter wie Bürgeln, Weitenau und Krozingen und Dinghöfe als
Sammel- und Gerichts Stätten wie z. B. in Fahrnau, Efringen und Bamlach. Der
Abt von St. Gallen aber war in große Verschuldung geraten. Sein geraubter
Besitz kam nicht mehr an ihn zurück.

6. Egringen erlebt aus der Nähe die Herrlichkeit des Reiches

Als mit Kaiser Konrad III. im Jahre 1138 das Geschlecht der Stauf er die Führung
im Reich übernahm, waren die Dörfer im Rebland Augenzeugen des Aufbruchs
zum 2. Kreuzzug. Neben dem Kaiser beteiligten sich auch die Franzosen unter
ihrem König Ludwig VII. an diesem Zug ins Morgenland. Es waren vor allem
schwäbische Ritter, die dem Ruf Konrads folgten, da die Sachsen längs der Ostsee
ihre eigenen Ziele verfolgten. Aber der Kreuzzug schlug unter großen Verlusten
fehl. So kehrte auch Dietrich II. von Rötteln nicht mehr zurück; in viele Burgen
war tiefe Trauer eingekehrt.

Da der Hauptsitz der staufischen Macht nicht im Neckarland, sondern im
Elsaß lag, wo sie in Hagenau ihre Pfalz errichtet hatten, sahen die Egringer im
Abendschein die hellen Mauern neu errichteter Burgen glänzen, erblickten später
auf ihren Marktgängen die von Mauern und Gräben umringten Städte, die den
staufischen Kaisern zu verdanken waren, vernahmen die Kunde von Rechten und
Verleihungen an diese Städte von Mülhausen bis Hagenau, wo sie wie Perlen an
einer Kette den Rand des rebenbekränzten Gebirges zierten. Da prägte sich in ihre
Herzen der Stolz auf die Größe des glanzvollen Stauferreiches unter Friedrich

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