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Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (21.1959, Jahresband, Ortsgeschichte von Egringen)
1959
Seite: 35
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Sigmund hatte 1411 den Burggrafen Friedrich VI. von Hohenzollern zum Verwalter
seiner Mark Brandenburg eingesetzt. 1415 übertrug er sie ihm in feierlicher
Belehnung und erhob ihn zum Kurfürsten.

Eine furchtbare Gefahr bedrohte das Reich von Südosten. Dort war König Sigmund
von Ungarn an der Spitze eines großen abendländischen Heeres dem Sultan Bajesid
erlegen, der seine sieggewohnten Türken nach der Zerstörung des bulgarischen
Reiches weiter nach Europa hineingeführt hatte. Die Schlacht von Nikopoli
(unterhalb der Einmündung der Alt in die Donau) im Jahre 1396 entschied für
etwa 300 Jahre ständiger Kämpfe mit den kriegerischen Osmanen, die ihren
mohammedanischen Glauben mit Feuer und Schwert auszubreiten suchten. Was
stand höher? Kreuz oder Halbmond? Schon beteten die Geistlichen im Kirchengebet
um die Rettung des christlichen Glaubens vor dem türkischen „Bluthund" -
auch in Egringen.

9. Reformbewegungen am Ende des Mittelalters

Mit Albrecht IL, dem Herzog von Österreich und König von Böhmen und
Ungarn, bestieg das Haus Habsburg wieder den Thron, den es bis zum Ende des
Reiches im Jahre 1806 innehaben sollte. Er starb auf einem Zuge gegen die Türken.

Auf ihn folgte Herzog Friedrich von Steiermark, dem die Kurfürsten 1410 zu
Frankfurt die Königskrone übertrugen. Den Grundzug seines Wesens bildete ein
beschauliches Phlegma. Aber er erreichte doch im Jahre 1452, daß er in Rom zum
Kaiser gekrönt wurde - der letzte in der Reihe der in Rom Gekrönten.

Friedrich III. erweiterte durch Heiraten seine Hausmacht und brachte es fertig,
sämtliche habsburgischen Linien wieder in seiner Hand zu vereinigen. So gebot er
über eine achtunggebietende Macht.

Hatten schon die Hussitenkriegedie nach der Verbrennung ihres Reformators,
des tschechischen Universitätsprofessors Johannes Hus in Konstanz 1415 einsetzten
und von 1419 bis 1436 Böhmen und das benachbarte Reichsgebiet schwer
erschütterten, den gegen sie entsandten Reichstruppen Niederlage auf Niederlage
beigebracht, konnten sie zuletzt nur durch Zugeständnisse etlicher ihrer Forderungen
beruhigt werden.

Vom Westen drohte keine kleinere Gefahr - im Gegenteil! Und da sehen wir
entscheidend wirken den Markgrafen Wilhelm von Hachberg-Sausenberg, der
nach Verlust seiner Stammlande durch Abdankung im Jahre 1441 sich dem Kaiser
und Reich zur Verfügung gestellt hatte. Sein Bruder Otto war von 1411-1431
Bischof von Konstanz, er selbst etliche Zeit Schirmer des Konzils zu Basel, wo er
sich in Verkennung seiner bescheidenen Mittel mit noblem Geschenk neben die
Reichen und angesehenen Fürsten stellte. Ein silbernes Faß köstlichen Weins
spendierte er.

Der französische Abgesandte aber verspottete ihn als armen deutschen Edelmann
.

Neben den beiden Konsilien %u Konstant 1414-1418 und %u Basel 1431-1449
erhob sich auch im Reich der Ruf nach Reform an Flaupt und Gliedern. Es entstand
der Reichsreformationsentwurf des Kaisers Sigmund, der vor allem die Frage
nach dem „gerechten Preis" aufgriff. Wir sehen daraus, daß auch wirtschaftliche
Fragen nach einer Abhilfe verlangten.

Denken wir daran, daß die deutschen Währungen auf dem Silber ruhten, und
daß die Fugger in Augsburg über alle Silberbergwerke in Deutschland, Tirol und
in Ungarn verfügten, so können wir schon verstehen, daß mit dem Aufkommen
der Zünfte der Handwerker und mit der Bildung der Handelsgesellschaften eine neue
Zeit mit neuen Aufgaben sich meldete.

Auch ein anderes Zeichen bezeugte den Zeitenwechsel: Am 16. Juli 1422 kamen
ins Wiesental Zigeuner mit Frauen und 50 Pferden, „ein ungestalt swartzes Volk"

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