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Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (21.1959, Jahresband, Ortsgeschichte von Egringen)
1959
Seite: 43
(PDF, 61 MB)
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gedrungenen Franzosen. Ob da wohl auch der Fischinger und seine Oberländer
Kameraden mitgezogen sind?

15. Vorreformatorische und reformatorische Erscheinungen am Oberrhein.

Einführung der Reformation in Baden

Daß die alte Papstkirche bedenklich erkrankt war durch Verbindung mit den
weltlichen Mächten, hatten ernste Menschen im Volke längst erkannt. Es bildeten
sich in der Stille Vereinigungen, die sich von dieser Verirrung der Aufgabe der
Kirche absonderten. Es waren die „Gottesfreunde am Oberrhein'6. Sie hatten ihre
Kreise auch um Basel, und es darf als wahrscheinlich gelten, daß bei dem Verkehr
vom Meierhof nach dem Spital in Basel, wo nicht nur das Fuhrwerk des Meiers,
sondern auch die Transporte anderer Fuhrleute die Abgaben dem Spitalmeister
zu Händen lieferten, einige Kenntnis auch ins Dorf nach Egringen kam.

Als der Markgraf gar Geistliche, die moralisch gegen die Vorschriften ihres
Amtes sündigten und den Unwillen ihrer Gemeinden hervorriefen, eintürmte, war
kein Widerspruch im Lande zu vernehmen.

Die Aufmerksamkeit richtete sich aber auf die Vorgänge in der Bischofsstadt
am Rheinbogen. Dort hatten Prediger begonnen, gestützt auf die reformatorische
Lehre Martin Luthers, die Reinigung des Gottesdienstes einzuleiten. Basel und
Zürich erließen 1523 ihre Predigtmandate, worin sie die Geistlichen in Stadt und
Land auf die Verkündigung des Evangeliums ohne menschliche Zusätze verpflichteten
. Die Basler Druckereien, die zahlreich die Schriften Luthers herausgaben
und die reißenden Absatz fanden, erreichten eine starke Wirkung im Volk.
Während Universität und Domkapitel den Rat der Stadt beeinflußten, die Verbreiter
der reformatorischen Lehre mit Gefängnis zu bestrafen, geht der Rat unter
der Wirkung des Bauernkrieges dazu über, sich der Bewegung anzunehmen. Es
erfolgt die Übernahme des klösterlichen Besitzes, und klösterlicher Besitz findet
sich auch im Bann von Egringen; die Nonnen und Mönche werden abgefunden,
und der Rat setzt die Pflegerherren ein, welche die Verwaltung des geistlichen
Eigentums übernehmen. 1526 führt der Pfarrer zu St. Martin den deutschen
Gemeindegesang ein, kirchliche Feiertage werden abgeschafft, kein Glockengeläute
ertönt mehr über der Stadt. 1528 ereignet sich in Basel der erste Bildersturm
. Unter dem Druck der Zünfte wird der Rat von den Altkirchlichen gesäubert
. Im Februar 1529 erfolgt der große Bildersturm in Basel. Bischof und Domkapitel
entfernen sich. Alle Kanzeln werden mit evangelischen Predigern besetzt.

Im Markgräflerland machen die Vorgänge in Basel einen großen Eindruck. Die
Zehntpflichtigen der Klöster liefern keine Zehnten mehr ab; so ermangelt das
Spital jene von Binzen. Sogar vom Wald kommen Nachrichten, daß die Tegernauer
sich gegen weitere Zehntabgaben an Basler Klöster sperren. Der Markgraf
erinnert sie milde an ihre Pflicht. Er befürchtet österreichische Einsprüche.

Unter der Wirkung des Augsburger Religionsfriedens vom Jahr 1555 entschließt sich
sein Sohn, Markgraf Karl IL, zum neuen Glauben überzutreten. In dem Basler
Professor und Münsterpfarrer Dr. Simon Sul^er fand er den Generalsuperintendenten
für die Pfarreien der Herrschaften Rötteln und Sausenberg. Er holte sich
die ersten Prediger vielfach aus Basel. Am 1. Juni 1556 wurde die neue Kirchenordnung
eingeführt. Das neue Bekenntnis wurde jedoch den Gemeinden nicht
einfach auferlegt, sondern sie wurden befragt. Egringen empfing den Generalsuperintendenten
Dr. Simon Sulzer und mit ihm den Röttier Landvogt Johann
Albrecht von Anweil. Diese erkundigten sich genau über die Verhältnisse der
Gemeinde, wo als erster evangelischer Pfarrer der alte Kaspar Vischer wirkte,
während in Fischingen der junge Sebastian Behmer aus Basel als Prädikant aufgezogen
war. Der Superintendent - später „Spezial" genannt, heute „Dekan"

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