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Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (21.1959, Jahresband, Ortsgeschichte von Egringen)
1959
Seite: 47
(PDF, 61 MB)
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Der Raubkrieg der Schweden und Franzosen.

Da dem Frieden von Prag im Lauf des Jahres 1635 fast alle norddeutschen
protestantischen Fürsten und Städte beitraten, verlor der Krieg von nun an fast
ganz seinen konfessionellen Charakter. Er wurde zum Raubkriege den das Ausland
zur Eroberung deutscher Gebiete führte. Nur einige süddeutsche Fürsten, die
noch geächtet waren, hielten am Bündnis mit den Schweden fest.

Jet^t kam auch Frankreich, das mit Schweden in aller Form ein Bündnis gegen
den Kaiser abschloß. Dort leitete der Kardinal Richelieu die französische Politik,
die darauf ausging, das Königtum mit allen Mitteln zu stärken, das Land zu vergrößern
, den Einfluß zu mehren und Frankreich zur Vormacht des europäischen
Festlands zu machen. Man sehe aber hin: Das katholische reformationsfeindliche
welsche Land, das Land der grauenvollen Bartholomäusnacht des Jahres 1572
mit der Niedermetzelung der Hugenotten, der König mit dem Titel des „aller-
christlichsten" schließt mit dem vollständig evangelisch-lutherischen Schweden
ein Bündnis ab. Das Raubgelüste liegt klar zutage. Schon lange hatte es seine
Regimenter hinter der Vogesenlinie stehen. Die mißtrauischen Elsässer beschwichtigte
es mit der Versicherung, es geschehe nur zum Schutz der deutschen Freiheit.
Und als es dann den Vogesenwall überschritt und die Zaberner Steige herabkam,
überredete es die Städte, die Tore zu öffnen und die Waffen abzugeben, da der
Franzose darin sonst ein Zeichen mangelnden Vertrauens erblicken müßte. Vor
allem: Frankreich behauptete, daß der Zustand der Besetzung nur bis zum Frieden
andauern werde und das Land dann vollständig Deutschland und dem Kaiser
zurückgegeben werde. Dieses Versprechen wurde im Lauf der folgenden Jahre
immer wieder gegeben und die wohl nicht ganz überzeugten Städte übertölpelt
durch welsche Tücke und Hinterlist, die auch vor faustdicken Lügen nicht
zurückschreckte. Zum Rhein, zum Rhein! Zur „natürlichen Grenze" zwischen
Frankreich und dem Reich! Und auf alle Fälle zur Schwächung des Reiches und
des Kaisers und zur Stärkung der Macht der Landesfürsten. Und Schweden erstrebte
die Herrschaft über die Ostsee, suchte also die deutschen Flußmündungen
zu gewinnen und sie zu behaupten. So war das Reich vom Meer ausgeschlossen.

Markgraf Friedrich V. mußte es schwer büßen, daß er sich mit besonders
warmem Eifer den Schweden angeschlossen hatte. Seine Lande kamen 1635 durch
kaiserliche Überweisung an den katholischen Markgrafen Wilhelm von Baden-
Baden. Die oberländischen Herrschaften aber - Rötteln, Sausenberg und Badenweiler
- fielen an die Witwe Erzherzog Leopolds von Osterreich, Claudia von
Medici. Auf Rötteln saßen nun österreichische Amtleute, so 1636 Junker Humbrecht
von Wessenburg, Herr zu Feldkirch und Roppach, erzherzoglicher Kammerherr
und Landvogt zu Rötteln, als Landvogteiverwalter in seiner Abwesenheit
Johann Jacob Opser. Die Besatzung des Schlosses stellte das Regiment von
Reinach. Grabtafeln aus dieser Zeit sitzen in der Außenmauer der Röttier Kirche.

Die österreichische Besetzung dauert nur kurze Zeit. Nach der Eroberung von
Rheinfelden zieht Herzog Bernhard von Weimar über den Dinkelberg und nimmt
die Burg im Sturm.

Was aber die Bevölkerung des Markgräf lerlandes zu erdulden hatte, melden die
Kirchenbücher unserer Heimat und die der Stadt Basel, hier auch die Ratsprotokolle
und die Kundschaften.

Innerhalb eines halben Jahres erschienen vor dem Riehener Tor nicht weniger
als 8000 Markgräf ler und Dinkelberger. Das Spital hat die auf den Gassen liegenden
armen Kranken zu versorgen. Die Totengräber mußten acht haben auf die in
den Gassen Sterbenden. Die Bann warte berichten 1636: Die armen Leute seien
halb tot; sie hätten Feuer angezündet und junge Kinder im Feuer gesehen, auch
eines herausgezogen. Ein Brief der 3 Ausschußmitglieder der Landstände (Statt-

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