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Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (21.1959, Jahresband, Ortsgeschichte von Egringen)
1959
Seite: 62
(PDF, 61 MB)
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aller Orten kaum 3 Haushaltungen vorhanden sind, so die Woche durch noch
einen Bissen rauh Brot zu genießen haben, zu dessen Erlangung sie alles versetzen
und verpfänden (haben) müssen". In die Herrschaft Rötteln gehört auch das
Weiler Viertel und zu diesem zählt das Dorf Egringen.

19. Krieg und Frieden im 18. Jahrhundert

In seiner neuen Residenz Karlsruhe, die Markgraf Karl Wilhelm sich 1715 im
Hardtwald gegründet hatte, regierte er als gewissenhafter Regent. Er bereiste sein
Land, um sich mit eigenen Augen von den Zuständen überzeugen zu können und
die Maßnahmen zu befehlen, nach denen die Schäden zu beheben seien. Er war
angesichts der Verschuldung des Landes ein auf Sparsamkeit bedachter Fürst, der
sich alle Rechnungen vorlegen ließ, auf den Rand seine Bemerkungen setzte, nach
denen zu verfahren war. Seine Beamten erzog er zu genauer Amtsführung, zur
Gewissenhaftigkeit und zum Bewußtsein der Verantwortung. Als er 1738 starb,
hinterließ er ein nur gering verschuldetes Land.

In seinen letzten Lebensjahren mußte er, der so viele Jahre persönlich die Lasten
der Feldzüge mitgemacht hatte, der für das Reich aus eigenem Antrieb ein Regiment
aus ausgesucht schönen Leuten in den Krieg gegen die Türken unter den
Befehl des Prinzen Eugen geschickt hatte, abermals den Krieg hinnehmen. Es war
der polnische Erbfolgekrieg von 1733-1738. Franzosen überschritten bei Hüningen
den Rhein; die Folge war wieder eine Flucht der Einwohner. 1734 vollzog sich der
Aufmarsch von 8000 Mann kaiserlicher Truppen bei Neuenburg. Es ging wohl
dieses Mal ohne Brand und Plünderung ab, jedoch das Erpressen von Lieferungen
an Heu und Hafer und Geld verstanden sie so gut wie früher. Bis nach Philippsburg
hinunter mußte geliefert werden. Breisach hatte eine kaiserliche Besatzung,
Freiburg aber war in den Händen der Franzosen. Von beiden Seiten wurden
Schanzarbeiter gefordert. Einquartierung n bezogen Winterquartiere. Schließlich
wurde der Friede ausgehandelt: Der polnische, von Frankreich unterstützteThron-
kandidat Stanislaus Leszczynski, jetzt Schwiegervater Ludwigs XV., wurde mit
Lothringen entschädigt; der Herzog von Lothringen, Franz Stefan, Schwiegersohn
Kaiser Karls VI., erhielt als Ersatz für sein Stammland das italienische Großherzogtum
Toskana. Nach dem Tode Leszczynskis sollte Lothringen an Frankreich
fallen. Die kaiserliche Politik hatte das deutsche Lothringen verloren, das 1697
noch beim Reich geblieben war. Es wurde 1766 in den französischen Staat eingegliedert.

Nach dem Tode des Markgrafen Karl Wilhelm kam nicht sein Sohn zur Regierung
, da dieser 1732 gestorben war unter Hinterlassung zweier Söhne. Der
älteste war der 1728 geborene Erbprinz Karl Friedrich, dem im Alter von9%Jahren
die Markgrafschaft zufiel.

Die vormundschaftliche Regierung für den minderjährigen Fürsten übernahm
die Großmutter Magdalena Wilhelmine, die kluge und fromme Witwe Karl Wilhelms
, die es sich angelegen sein ließ, ihrem Enkel eine tiefinnerliche, von echter
Menschenliebe erfüllte Frömmigkeit einzupflanzen. Neben ihr und nach ihr (sie
starb im Jahre 1742) war als Vormund tätig ihr Neffe, Markgraf Karl August. Um
seinen Gesichtskreis zu erweitern, wurde der Erbprinz ins Ausland geschickt und
lernte die Spanischen Niederlande, die Republik Holland und Frankreich kennen,
darin auch die Hauptstadt Paris, den „Urquell aller feineren Lebensart". Während
er noch im Ausland weilte, wurde er im Jahr 1746 von Kaiser Franz I. für mündig
erklärt. Zurückgekehrt, nahm er die Zügel der Regierung selbst in die Hand. Im
Jahr 1751 vermählte er sich mit der fünf Jahre älteren Prinzessin Karoline Luise
von Hessen-Darmstadt, einer Frau von hoher Geistesbildung und großer Herzensgüte
. In ihrem Wesen stand sie ihm gleichgerichtet zur Seite. Karl Friedrich war
wohl noch absoluter Herrscher; er war der Mittelpunkt seines Staates. Aber wie

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