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Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (21.1959, Jahresband, Ortsgeschichte von Egringen)
1959
Seite: 87
(PDF, 61 MB)
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Bekanntschaft mit überörtlichen Gegebenheiten hatte er die Notwendigkeit dieser
Selbsthilfeorganisation für die Winzer frühzeitig erkannt. Kelterraum und Lagerkeller
fanden Platz im Gasthaus zum Rebstock. Im Rathauskeller wurde ebenfalls
eine Anzahl Lagerfässer untergebracht. Die Jahre 1936 und 1950 konnten die
größten Herbsterträgnisse verzeichnen. 151000 bzw. 156000 kg abgelieferte
Trauben waren die Ergebnisse, dagegen in den Jahren 1956 und 1957 je etwa
10000 kg. An Qualität standen die Jahre 1947 und 1949 an der Spitze. Im Jahre
1952 schloß sich die Winzergenossenschaft mit 65 Mitgliedern an die Bezirkskellerei
Markgräflerland in Efringen-Kirchen an.

Bedingt durch zunehmende Verseuchung des Rebberges mit Reblaus wurden
schon in den 20er Jahren einzelne Stücke auf Pfropfreben umgestellt. Bald zeigte
sich, daß diese allgemein notwendige Maßnahme zweckmäßig mit einer Zusammenlegung
der vielen kleinen Grundstücke verbunden wird. Im Zusammenwirken
mit den Gemeinden Fischingen und Schallbach wurde 1937 mit der Umlegung
des „oberen Berg" begonnen. Viele Vorurteile waren zu überwinden, viel
Planung und noch viel mehr Handarbeit war notwendig. 1947 bis 1948 wurde der
mittlere Berg bereinigt, 1951 der Letten zusammen mit der Gemeinde Kirchen.
Hier konnte schon ein großzügigeres Verfahren angewandt werden, da sich kleinliche
Vorbehalte einzelner Besitzer als grundlos und nachteilig erwiesen hatten.

1933 bis 1945

Die Umgestaltung der politischen Verhältnisse im Jahre 1933 veränderte auch
die militärische Lage unseres Grenzlandes. Dies trat zuerst in Erscheinung, als
anläßlich der Rheinlandbesetzung über Nacht in unserem Dorf Straßensperren
errichtet und später der Rathaussaal in eine Rüstkammer für die sogenannte
„Grewa" (Grenzwacht) verwandelt wurden. Während der Sudetenkrise 1938 war
hier der Standort für eine mobile Abteilung dieser aus Mannschaften der umliegenden
Orte gebildeten Einheit. Der Bau des Westwalles, sowie die in benachbarten
Orten untergebrachten Lager des Reichsarbeitsdienstes brachten viel
fremde Menschen ins Dorf, so daß schon alles „im Fluß" war, als 1939 der Krieg
mit Polen ausbrach. Den ganzen Ernst der Lage brachte der 3. September 1939,
wo mit der Kriegserklärung Frankreichs die schon lang vorbereitete Rückführung
auch der hiesigen Bevölkerung angeordnet wurde. Glücklicherweise konnte der
größte Teil der Einwohnerschaft von Steinen aus nach 2 Tagen wieder in das
Heimatdorf kommen. Frauen mit Kindern, Alte und Gebrechliche wurden in den
Hegau und später zum Teil in das Allgäu weiterbefördert. Diese Episode der
Rückführung fand einen grauenhaften Abschluß. Auf Weihnachten sollte der
größte Teil der Evakuierten zu ihren Angehörigen heimkehren. In der Nacht vom
22. auf 23. Dezember 1939 stieß der Sonderzug bei Markdorf am Bodensee in
voller Fahrt auf einen entgegenkommenden Güterzug. Die Wirkung war furchtbar
. Unter den Toten waren auch 7 Opfer unserer Gemeinde. Mit den 3 betroffenen
Familien trauerte das ganze Dorf um 3 junge Mütter und 4 Kinder. Seit Kriegsbeginn
lagen im Dorf Teile verschiedener Einheiten im Quartier, davon am
längsten der Stab und eine Kompanie eines Baubataillons, welche lange Zeit die
Kirche als Unterkunft benutzten. Ohne besondere Vorfälle verlief der Winter. Der
Beginn der deutschen Westoffensive brachte Änderung. Erst nur vereinzelt kamen
Flüchtlinge aus den beschossenen Rheinorten. Etwa 14 Tage war die gesamte
Einwohnerschaft von Kleinkems hier untergebracht, um dann für längere Zeit
in Holzen Unterkunft zu finden. Mit Bangen beobachtete man, wie die Dörfer am
Rhein mehr und mehr Schaden erlitten und zum Teil abbrannten. Zögernd begann
die Heuernte, während alles zur Flucht vorbereitet war. Da kam am Abend des
10. Juni auch eine schwere Beschießung über unser Dorf. Zum Glück lag der

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