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Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (21.1959, Jahresband, Ortsgeschichte von Egringen)
1959
Seite: 268
(PDF, 61 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mgl-1959/0270
noch nicht zu klein sei. Wenn sich jedoch eventuelle Inconvenienzien ergeben
sollten - so glaubte der Kirchenrat in Karlsruhe am 22. 7. 1801 betonen zu
müssen -, so komme dies nur daher, daß bei der Beerdigung entgegen der Vorschrift
eichene oder nußbaumene Särge verwendet worden seien. Sogar in der
Residenz Karlsruhe werde keinem ohne Unterschied eine Beerdigung in solchen
teueren Särgen gestattet. Vom Oberamt wurde daraufhin den Schreinern bei
namhaften Strafen verboten, noch Särge von solcher teurer Holzart anzufertigen.
Auch das Pfarramt wurde zur strengen Beobachtung dieser Verordnung angewiesen
. Damit war die Friedhofsfrage zunächst wieder zur Ruhe gekommen.

Aber sie mußte früher oder später wieder auftauchen. Denn der alte Friedhof
war tatsächlich zu klein. Dazu kam noch, daß man auf dem Verordnungswege
bekanntgegeben hatte, ein Friedhof müsse aus Gründen der Volksgesundheit in
Zukunft mindestens 1200 Fuß vom letzten Hause des Ortes entfernt sein. Anläßlich
des Rügegerichts 1840 in Egringen stellte deshalb Pfarrer Fernand den Antrag
, daß mit Rücksicht auf die bestehenden Verordnungen die Anlage eines neuen
Friedhofes angeordnet werden möchte. Gemeinderat und Bürgerausschuß erkannten
an, „daß der Kirchhof, abgesehen davon, daß er innerhalb der Ortsanlage
sich befindet, etwas zu klein ist, und überdies wegen seiner erhöhten Lage das
Kirchengebäude benachteiligt". Als der Physicus mit dem Pfarrer das zur Neuanlage
in Frage kommende Gelände besichtigte, erklärte sich Bürgermeister und
Rebstockwirt Hagist bereit, das ihm und Nikiaus Sieglin gehörige Gelände an der
Chaussee unweit vom westlichen Dorfausgang für einen neuen Friedhof zur Verfügung
zu stellen. Auch Sieglin selbst sei zur Veräußerung bereit. Aber dieses
Gelände war nur 800 Fuß anstatt 1200 Fuß vom letzten Hause des Dorfes entfernt
! Jedoch erschien eine Verlegung noch weiter westlich geländemäßig nicht
angebracht. In nördlicher Richtung hätte man über die Feuerbach gehen müssen,
„die nur schmale Stege hat, über die keine Leichen getragen werden können". In
südlicher Richtung schien das Gebiet zu quellenreich zu sein. In östlicher Richtung
hätte man eine Kapelle für die Beerdigungen erbauen müssen. Nachdem man in
östlicher Richtung dazu noch auf den Äckern des Friedrich Kubier und Georg
Friedrich Weiß in 4-4% Fuß Tiefe Wasser festgestellt hatte, einigte man sich bei
einer nochmaligen Besichtigung auf den von Bürgermeister Hagist vorgeschlagenen
Platz. Die erforderliche Gesamtgröße des neuen Friedhofes wurde für
450 Gräber mit insgesamt 18150 Quadratfuß berechnet. Auch das Bezirksamt gab
seine Erlaubnis. Maurer Zibold übernahm am 8. 2. 1841 die Maurerarbeit für
270 fl. und die Steinhauerarbeit für 25 fl., Zimmermann Graf steigerte die Fertigung
des Tores mit Beschlag und Anstrich um 28 fl.

Seitdem werden unsere Toten auf dem neuen Friedhofe bestattet. Wenn sie
damit auch ein Stück von unserer Kirche hinweggerückt sind, so findet ihre
Trauerfeier doch wie einst in der Kirche statt - ein Brauch, den unsere Gemeinde
nie aufgeben sollte. Denn unsere Toten und die Botschaft vom lebenden Herrn
und Seiner Kirche gehören zusammen. Und ihr Tod ist nicht nur ein Dahinscheiden
, sondern ein Heimkehren zu Ihm.

II. EGRINGEN UND SEINE LEBENSORDNUNG
(unter besonderer Berücksichtigung der markgräflichen Zeit)

A. ]/on Gottesdienst und Jugendunterweisung

Welch ereignisreicher Tag mag es einst für das stille Dorf gewesen sein, wenn
sich ins alte markgräfliche Egringen der hochwürdige Herr „Spezial" zu einer
Visitation angesagt hatte4! Wurden doch die Kirchenvisitationen als ein altes Erb-

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