Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., H 4688,fm
Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (21.1959, Jahresband, Ortsgeschichte von Egringen)
1959
Seite: 273
(PDF, 61 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mgl-1959/0275
Müssen bei der Visitation 1558 die Egringer Vorgesetzten bekennen: „Haben
kein Schul", so konnte doch von ihrem Pfarrer gesagt werden: „er singetPsalmen",
das heißt, er übte mit der Jugend die Choräle der Reformation ein. Diese Nachricht
aus 1558 ist die erste Notiz einer geschehenen Jugendunterweisung in der
Egringer Geschichte. In 40 Pfarreien der Herrschaft Rötteln und Sausenberg bestanden
im Jahre 1583 insgesamt nur 10 Schulen - im Bereich unseres heutigen
Kirchenbezirks nur in Rötteln, Lörrach, Steinen, Weil und Binzen. In Rötteln ist
der Diakon als Lehrer tätig, in den 4 anderen Gemeinden jeweils der Sigrist. In
den nächsten 10 Jahren kommen in Blansingen, Egringen, Kirchen, Tegernau und
Wollbach weitere Schulen hinzu. Unsere Egringer Schule muß also zwischen 1583
und 1593 ins Leben getreten sein. Auffällig ist die Tatsache, daß der Schule bei
der Visitation 1591 noch nicht Erwähnung getan wird. Den ersten als Lehrer
bezeichneten Mesner finden wir am 2. 7. 1615 in der Person des Hans Schopferer
„Schulmeister und Sakristan" - sein vermutlicher Vorgänger Wernlin Weiß hatte
sich noch ganz bescheiden als „Sigrist" bezeichnet. Daß unser Ort bereits um
diese Zeit schon eine Schule unterhielt, stellt ihm ein gutes Zeugnis aus. Noch lange
Zeit hindurch war aber der Besuch auch der Egringer Schule eine freiwillige
Sache. Denn Markgraf Karl Friedrich führte den Schulzwang erst im Jahre 1751
ein und verpflichtete dabei alle Kinder nach erlangtem 6. Lebensjahre zum Schulbesuch
. Da die Schulaufsicht in der ganzen markgräflichen Zeit der Kirche oblag,
war auch dem Egringer Pfarrer ein häufiger Besuch der Schule vorgeschrieben.
Er hatte dabei die Pflicht, den Lehrer in jeder Hinsicht in der Unterrichtung der
Kinder zu fördern. Neben monatlichen Prüfungen hatte er vierteljährlich im Beisein
der Orts Vorsteher und auch der Eltern ein „feierliches und gründliches
Examen in allen Lehrgegenständen mit den Schülern zu veranlassen und über
dessen Ergebnis einen genauesten Bericht an das Spezialat einzusenden" (Gen.
Syn. Verordng. 29). Über seine wöchentlich zweimal durchzuführenden Schulbesuche
hatte der Pfarrer ein „Diarium" zu führen. Es dürfte auch in Egringen
etwa dem geglichen haben, das wir heute noch von Vikar F. A. Marstadt anläßlich
seiner Dienstversehung in Kleinkems besitzen; ein Auszug mag es veranschaulichen
:

November

6. Das erste Mal die Schule besucht und noch ordentlich gefunden nach den kurz vorhergegangenen
Herbstferien.
14. Das andere Mal vormittags in der Schule gewesen und Katechisation gehalten mit den
Kindern über einige Sprüche aus dem Spruchbuch und gut befunden in dem Aus-dem-
Verstand-Antworten.

17. Wieder nachm. die Schule besucht und die Kinder im Rechnen probiert, worinnen sie
ganz artig fortkommen und gute Proben liefern.

21. Wieder vormittag Katechisation in der Schule mit den Kindern gehabt, haben schon
besser acht als das erste Mal.

24. Wieder nachm. von Schreiben und Rechnen und Aus-dem-Kopf-Rechnen und Buchstabieren
mir Proben machen lassen.

28. Wieder vormittags über einige Sprüche Katechisation gehalten und Anweisung gegeben,
aus dem Herzen zu beten.

29. In der Geometrie die Schule besucht,
usw: Dezember—Juni; Auszüge:

28. 1. und 23. 4. Schule besucht und zugleich Examen gehalten

28. 1. über die Lektionen im 1. Quartal des Winterhalbjahres durch alle Schulbücher —

sowohl als auch im Schreiben, Rechnen, Geometrie.
23. 4. dasselbe über die 2. Quartal traktierten Lektionen.

Der Pflichtunterricht an der Schule hatte ein doppeltes Ziel: er sollte aus dem
jungen Menschen einen guten Christen und einen tüchtigen Staatsbürger machen.

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