Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., H 4688,fm
Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (23.1961, Heft 1, Müllheim Baden)
1961
Seite: 19
(PDF, 52 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mgl-1961-01/0021
Von allen Seiten her, von Basel, Freiburg und Breisach, von den Klöstern, die
auf Müllheimer Bann Besitz hatten, vom Burgvogt in Badenweiler erfahren
die Bewohner der Müllheimer Umgebung von den Großtaten der Kaiser und der
Reichstreue ihrer Zähringer Herzöge.

Nach seiner Wahl zum deutschen König suchte Friedrich II. verlorenes Reichsgut
wieder der Krone zuzuführen. Im Bund mit dem französischen König schlug die
vereinigte Macht den Kaiser Otto und seine englischen Bogenschützen. Französische
Ritter erbeuteten die Reichsfahne; aus ihren Händen mußte sie Friedrich entgegennehmen
. Die Schlacht von Bouvines (bei Lille) des Jahres 1214 hatte den weiteren
Erfolg, daß der Ruhm der Deutschen bei den Welschen ins Schwanken geriet.

Der entthronte welfische Kaiser starb 1218 auf der Harzburg. Als Erbe der nor-
mannisch-sizilianischen Vorfahren führte Friedrich II. den Ausbau seines Erbstaates
weiter, seiner dauerhaftesten Schöpfung. Seine Kindheit hatte er als vater-
und mutterlose Waise in Parlermo verbracht. Bürger dieser Stadt waren abwechselnd
für den Unterhalt des Knaben besorgt gewesen.

Die Hauptstütze seiner Macht lag in Sizilien. Das Mischvolk
aus italienisch-griechischem-römischem-arabischem und normannischem Blut
wurde durch einen straff organisierten Beamtenstand verwaltet. Friedrich selbst war
an der Errichtung der Burgen beteiligt, die die Insel und Apulien mit einem Netz
von Türmen überzogen. Das „Castel del monte" wurde nach eigenen Plänen Friedrichs
errichtet. Noch 1244 hat er darin residiert.

Bedenklicher waren die Verhältnisse in Deutschland. Hier waren die Herzöge
und Grafen zu höherer Macht emporgestiegen. Der Plan, nördlich der Alpen auch
ein Erbkönigtum einzuführen, konnte gegen die Stimmen der Großen nicht erlangt
werden. Friedrich weilte meist in Süditalien; dort umgab er sich in Palermo mit
Gelehrten und Künstlern. Er war auch ein großer Jäger und schrieb selbst ein Buch
über die Jagd. Darüber hinaus gründete er die Universität in Neapel.

Nach dem Tode des letzten Zähringerherzogs Berthold V. wurde der Kaisersohn
Heinrich mit dem Rektorat über Burgund im Jahre 1219 belehnt, desgleichen
schon zwei Jahre vorher mit dem Herzogtum Schwaben. Von größtem Einfluß auf
die Verhältnisse im Reich war die Ausgabe des größten Teils der
Hoheitsrechte in den geistlichen Territorien (1220); 1232 gestattete er den
weltlichen Fürsten Münz- und Geleitrecht und machte sie von fremder, insbesondere
der königlichen Gerichtsbarkeit unabhängig. Die Niedergerichte überließ er ihnen
zur Beleihung. Die Ritterbürtigen unterstellte er dem fürstlichen Gericht, die Städte
überließ er der fürstlichen Interessenpolitik, verbot den ersten rheinischen Städtebund
(1221) und untersagte alle genossenschaftlichen Bildungen der Bürger, darunter
den Stadtrat und die Einungen der Handwerker.

Auf den Gesetzen von 1220 und 1232 entstanden die
Landesfürstentümer. Durch ihre Beamten festigten die Landesfürsten
ihren Staat. Ihrer Fürsorge verdanken ihre Herrschaften Ordnung und Festigkeit.

Wie werden die Bewohner der Rheinseiten gestaunt haben, als der Kaiser bei
einem Besuch des Elsaß, des „geliebtesten seiner Erbländer", mit nie geschauten Tieren
und seltsam gekleideten dunkelhäutigen Begleitern gegen Hagenau, der staufischen
Königspfalz zog! Wenn die Müllheimer samt den Breisgauern auch nicht über
Neuenbürg und Breisach dem kaiserlichen Zug zugeeilt waren, so war doch die
Kunde davon sicherlich ihnen zugetragen worden und hat ihre Treue und Anhänglichkeit
an den Träger der Krone mächtig gestärkt.

Der Sohn Heinrich war den Einflüsterungen seiner Ratgeber erlegen, und
hatte mit den lombardischen Städten paktiert, und sich gegen den Vater empört.
Dieser zog herauf und führte ihn zum Gehorsam zurück. Als er abermals einen

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