Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., H 4688,fm
Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (23.1961, Heft 1, Müllheim Baden)
1961
Seite: 139
(PDF, 52 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mgl-1961-01/0141
Im Anschluß an diese Requisition wandte sich Neff nach Oberweiler, wo
er bei dem Hütten verwalter Kümmich noch zweitausend Gulden beschlagnahmte
. Weiter schreibt Neff in seinem Buche: „Während dieser Zeit kam der
Bürgermeister von Müllheim mit einer großen Menschenmenge nach Oberweiler.
Er hatte nichts weniger im Sinn, als uns das Geld, welches wir soeben in Müllheim
genommen, wieder abzunehmen. Er erklärte mir, daß er das Geld unter keiner
Bedingung fortlasse, die ganze Bürgerschaft wäre blamiert usw. Ich erwiderte ihm,
daß ich es zum äußersten kommen lasse, zuerst müsse Blut fließen, ehe ich einen
Kreuzer davon abgebe. Nach heftigem Hin- und Herstreiten wollte der Bürgermeister
mit seiner Chaise sogleich wieder zurückfahren, wahrscheinlich um Anstalten
zu unserer Arretierung zu treffen. Dieses ließ ich jedoch nicht geschehen, er
mußte hinter uns herfahren. Ich bedeutete ihm noch, daß ich jeden Angriff auf
unsere Kasse als einen Angriff auf die Republik ansehen würde, und in diesem
Falle würde es heute abend in Müllheim zu einer blutigen Demonstration kommen;
ich wußte wohl, daß der arme Teufel für uns und nur der Geldsack gegen uns sei.

In Müllheim wieder angekommen, versammelte der Bürgermeister gleich eine
Schar seiner Trabanten, stürmte mit ihnen wütend auf unsere Wagen los, als diese
gerade vor dem Gasthaus „Zum Rößle" hielten, spannte die Pferde aus und packte
unsere Mannschaft, die sich widersetzte. Einige von meinen Leuten schlugen gleich
mit dem Kolben drauf, während andere im Hintergrund die Hahnen gespannt
hielten. Der Bürgermeister, welcher selber zuerst Hand anlegte, wurde zuerst mit
tüchtigen Püffen abgefertigt; seine Müllheimer selbst pufften ihn. Während dieser
Schlägerei ließ ich wieder anspannen und einige, die sich schnell auf den Wagen
gemacht, jagten davon, Die andern ließen den Bürgermeister und seine Leute fahren
und liefen nach. Viele Müllheimer kamen uns nach bis hinaus zur Straße, drückten
uns ihre Zufriedenheit über unsere Operation aus, und unter Jubelgelächter fuhren
wir davon."

Am nächsten Tage kam S t r u v e selbst. Er hatte die Absicht, das Hauptquartier
bis Müllheim vorzuschieben, dort „die von allen Seiten herbeiströmenden Volksmassen
zu sammeln" und mit einer erdrückenden Übermacht gegen Freiburg aufzubrechen
. Diesem Plan entsprechend wirbelte um zwei Uhr morgens des 23. September
1848, einem Samstag, der Generalmarsch durch die Straßen Lörrachs, und
die ganze Kolonne marschierte über Kandern nach Müllheim. Dort trafen die republikanischen
Truppen gegen neun Uhr morgens ein - insgesamt etwa 700 Mann.
Vom Ratschreiber Breitenstein empfangen, begab sich Struve, wie A. J. Sievert in
der „Geschichte der Stadt Müllheim" berichtet, ins Stadthaus, ließ dorthin durch
Breitenstein den Oberamtmann Kuen holen und wollte ihn festnehmen lassen. Auf
das entschiedene Dazwischentreten der anwesenden Bürger, vor allem Breitensteins,
begnügte er sich jedoch, Hausarrest über Kuen zu verhängen. Nachmittags hielt
Struve vom Balkon des Stadthauses aus eine Anrede an das versammelte Volk. Wie
er in seiner „Geschichte der drei badischen Aufstände" schreibt, führte er darin
besonders aus, daß „der Kampf gegen die Tyrannen Deutschlands im wesentlichen
ein Kampf sei gegen das herrschende Laster. Er wies darauf hin, wie die Unterdrücker
des deutschen Volkes nicht bloß von seinem Schweiße schwelgten, sondern
auch durch das Lasterleben, welches sie führten, das Volk herabwürdigten und erniedrigten
."

Auch Frau Struve war inzwischen nicht müßig. Sie hatte sich in dem
alten Stadthaus einquartiert und, während Struve mit den Männern beschäftigt
war, patriotische Frauen und Jungfrauen um sich versammelt und ließ Patronen
machen. Dabei suchte sie, die Frauen für die Sache der Freiheit zu begeistern
. Sie besprach mit ihnen den Plan, „eine Schar von Frauen und Jungfrauen
zu bilden, welche dem Freiheitsheere folgen sollte, um ermutigend und begeisternd

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