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Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (23.1961, Heft 1, Müllheim Baden)
1961
Seite: 143
(PDF, 52 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mgl-1961-01/0145
Orten einquartiert, ohne daß auch nur irgendein Wachtposten oder eine Patrouille
aufgestellt gewesen wäre. Am Sonntage bis in die Nacht zeigten sich
die Behörden und Bürger von Müllheim gegen die Republikaner äußerst gefällig
, suchten ihre Freude über die errungene Freiheit an den Tag zu legen
und erklärten, gerne alle Opfer zu bringen, die ihnen das Geschick auferlege,
wenn nur die Republik fest begründet werde."

Dann aber erzählt Thielmann folgendes kuriose Stückchen:

„Als von Oberweiler, wohin das Hauptquartier von Müllheim aus vorgerückt
war, 30 Mann zum rekognoszieren nach Müllheim geschickt waren, stellten
diese dort ganz vertrauensvoll ihre Waffen auf dem Marktplatz ab und begaben
sich in das nächste Wirtshaus, um sich zu erfrischen. Alsbald bemächtigten
sich die Aristokraten Müllheims der Waffen und fielen dann über die
Republikaner her. So verfuhr man in Müllheim gegen die Republikaner, welche
sich vertrauensvoll dorthin begeben hatten, wo ihnen noch zwei Tage vorher
alle Freundschaft bewiesen worden war. Dies ist ein Beweis, wie gewissenlos
die Aristokraten und Geldsäcke auftreten, wenn sie auch von den Republikanern
in ihrer Gutmütigkeit freundlich und schonend behandelt werden."

Was diese komische Szene mit der militärischen Lage zu tun hatte, geht aus einer
anderen Notiz hervor: „Am Dienstag rückte General Hoffmann von Staufen aus
gegen die Stadt Müllheim vor, und die Kanoniere fuhren bereits auf der gegen
Hügelheim gelegenen Höhe zum Feuern auf. Im nächsten Augenblick sollte die Beschießung
beginnen, da trafen gerade noch rechtzeitig einige Bürger aus Müllheim
ein, die den Truppen entgegengeeilt waren und versicherten, daß keine Freischaren
mehr in der Stadt seien."

Das war also ein unrühmliches Ende der 48er Bewegung in Müllheim. Was den
kriegerischen Ereignissen folgte, waren Einquartierungen über Einquartierungen,
erst von hessischen, dann von württembergischen und schließlich auch von badischen

Das Jahr 1849 war nicht nur die zeitliche Folge von 1848. Die im
Keim erstickten freiheitlichen Ideen flammten da und dort noch einmal auf. Die Stimmung
beim Militär zeigte sich in gefährlichen Soldaten-Aufständen, die, von Rastatt
ausgehend, sich über alle Garnisonen verbreiteten. In Karlsruhe führte der Militäraufstand
am 13. Mai zu der Flucht des Großherzogs.

Müllheim wurde dadurch in diesen dritten badischen Aufstand hineingezogen,
daß die in den Orten am Rhein und in Lörrach meuternden Truppen ihren Weg
über Müllheim nahmen. (In Lörrach war der Oberst von Rotberg, der den aufsässigen
Soldaten entgegentrat, niedergeschossen und sein Neffe, der Leutnant von
Rotberg, schwer verwundet worden.) Im Städtchen gab es damals durch die verwilderten
Soldaten sehr unruhige Tage und Nächte. Immerhin wurde das Militär
Mitte März in ziemlich geordnetem Zuge aus der Stadt hinausgeführt, doch gab es
schon an der Landstraße bei der „Alten Post" turbulenten Aufenthalt. Mit geladenen
Gewehren verlangten die Soldaten nach Freiburg geführt zu werden. Die Offiziere
erklärten aber, sie zögen nicht dorthin, um sich unter den neuen Landesausschuß
zu stellen; sie würden ihren Eid nicht brechen und begaben sich nach Neuenburg
, wo sie, obwohl sich die ganze Einwohnerschaft bedrohlich zusammengerottet
hatte, ohne Zwischenfall über den Rhein setzten. (In Müllheim hatte übrigens der
Major Waizenegger die Regimentskasse dem Schwanenwirt Kammüller übergeben,
der das Geld in einem Fasse verborgen hielt, das später durch den Colmarer Wirt
Dienst „Zum Roten Männlein", nächtlicherweile abgeholt wurde.)

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