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Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (23.1961, Heft 1, Müllheim Baden)
1961
Seite: 222
(PDF, 52 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mgl-1961-01/0224
Die Müllheimer Festwoche

Mit einem Bürger abend eröffnet

Noch waren in den Abendstunden des hochsommerlich heißen Freitags, des
26. August, eifrige Hände damit beschäftigt, Häuser und Straßen der Jubiläumsstadt
Müllheim zu schmücken und alles auf Hochglanz zu polieren, als bereits
Müllheimer Familien, oftmals begleitet von Gästen aus dem ganzen Markgräfler-
land, aus der Schweiz und dem Elsaß, dem großen Festzelt auf dem Schulplatz
zuströmten, das Schauplatz eines heiterbesinnlichen, von Müllheimer Vereinen
gestalteten Bürgerabends wurde. Mit ihm wurde die zur 1200-Jahr-Feier und
zum 150jährigen Stadtjubiläum Müllheims angesetzte Festwoche begonnen.

In Anwesenheit der Landtagsabgeordneten Löffler, Schweiger und Stork, von
Landrat Allgaier und Landesbrandmeister Hehn richtete Bürgermeister E. A.
Graf im Namen des Gemeinderates und des Festausschusses herzliche Begrüßungsworte
an Bürger und Gäste Müllheims. Nicht zu einem offiziellen Festakt,
sondern zu einem besinnlichen-frohen Familientreffen begrüße er alle. Sein besonders
liebevoller Gruß gelte den älteren Mitbürgern, deren Erinnerung noch
weit in das vorige Jahrhundert zurückreiche, und denen man schon zu ihren
Lebzeiten Ehre und Dankbarkeit bezeugen sollte. Ebenso herzlich wie die eingesessene
Bevölkerung begrüße er auch die vielen aus anderen deutschen Gauen
nach Müllheim gekommenen Mitbürger, deren Sehnen und Hoffen eben jetzt
wohl der alten Heimat gelten würde, die aber doch wohl in Müllheim eine
zweite Heimat gefunden hätten. Sie seien als Brüder und Schwestern gleichen
Rechtes und gleicher Pflicht in den Familienverband Müllheims aufgenommen.

Was der alte Turmknopf barg

In Erinnerung an die reiche Geschichte der Stadt wies Bürgermeister Graf
unter anderem auf Urkunden hin, die bei Reparaturen in den Jahren 1790,
1886 und 1925 in dem Knopf der Turmspitze der alten Martinskirche eingelassen
wurden und die bei der jüngsten Renovierung dieses neben dem Landrats-
amtsgebäude bedeutendsten Baudenkmals in Müllheim aufgefunden wurden. In
der Urkunde von 1790 wird über viel Dürre, Frost und Wassernot berichtet,
unter anderem, daß 1788 der Winter so kalt gewesen sei, daß in Müllheim „alle
Rebstöcke, Nuß- und Obstbäume erfroren" seien, „und als fast nie gehörtes
Beispiel sei anzumerken, daß der Rheinfluß bei Neuenburg, allwo er sehr stark
lauft, vom 4. bis 16. Januari 1789 völlig zugefroren und mit einer so harten
Eisdecke überzogen gewesen sei, daß Menschen und Vieh ohne Gefahren darübergehen
konnten, wie denn auch solcher Zeit viele hundert Personen über das
Eis gegangen und sogar Mastochsen über solches ins Elsaß getrieben worden
sind". Daraus möge man ersehen, wie sehr der Mensch damals den gleichen Naturgewalten
ausgesetzt gewesen sei wie heute.

In der zweiten Urkunde vom Jahr 1886, die vom damaligen Oberamtsrichter
Beck verfaßt wurde, fänden sich folgende prophetischen Sätze: „Werden, wie seit
1790 bis 1886, ebenso folgenschwere befreiende Umwandlungen sich vollziehen
ab heute bis zu der Stunde, wo Ihr den Turmknopf wieder ausheben werdet?
Werdet Ihr, statt steigen, zum Knopf hinauffliegen? Werdet Ihr fliegend den
Blauen heimsuchen? Werdet Ihr statt Holz und Kohle aufgelöstes Wasser brennen
? Mittels Elektrizität in Hamburg die Wasserkraft des Rheinfalls ausnutzen?

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