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Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (23.1961, Heft 1, Müllheim Baden)
1961
Seite: 253
(PDF, 52 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mgl-1961-01/0255
Die Einweihung des Ehrenmals

Am Volkstrauertag 1960 (13. November) wurde auf dem Friedhof das Ehrenmal
für die in den beiden Weltkriegen gefallenen oder vermißten Einwohner
der Stadt feierlich eingeweiht. Die Bevölkerung hatte sich hierzu in großer Zahl
eingefunden, darunter viele Angehörige der Kriegstoten, deren Namen in erzenen
Buchstaben auf den beiden Ehrentafeln des Ehrenmals zu lesen sind. So
umstand eine große, dunkle Schar das Gräberfeld des Ehrenfriedhofes mit seinen
Kreuzespaaren aus rohbehauenem Granit, über welchen sich nun das Ehrenmal
als Torbogen mit der ältesten Müllheimer Glocke erhebt. Durch das spärliche
herbsttote Laub der Birken raschelte der Wind; der einzige Laut in der tiefen
Stille. Feierlich erklang Beethovens „Die Flamme lodert", von der Stadtmusik
Müllheim unter Dirigent Zettelmayer vorgetragen, über das weite Totenfeld.
Darauf nahm Bürgermeister Graf die Einweihung des Ehrenmals vor mit der
folgenden Ansprache, die wir im Wortlaut wiedergeben:

„Die Deutschen im freien Teil ihres Vaterlandes gedenken heute in Trauer
ihrer Toten zweier Weltkriege. Wir in unserer Stadt erfüllen in diesem Jahr
darüber hinaus eine lange aufgeschobene Pflicht, wenn wir das Mal enthüllen,
das wir zum ehrenden Gedächtnis unserer Kriegstoten errichtet haben. Es war
ein weiter Weg, ein Weg des Tastens und Suchens, den wir zu gehen hatten, um
Wunsch und Idee im Werk würdig Gestalt werden zu lassen. Viele haben dabei
mitgewirkt und damit ein Zeichen uneigennützigen, lebendigen Bürgersinnes
gesetzt. Und sie haben sich damit unseren Dank verdient. Einer allein von ihnen
sei hier genannt: unser junger Mitbürger, der Gymnasiast Dieter Koch. Denn
ihm verdanken wir das Modell dieser Anlage; einem aus der großen Schar jener,
deren Väter im Krieg geblieben sind. Hier waltet wohl kein Zufall, hier scheint
sich tieferer Sinn zu zeigen. Ihm, der seinen Vater so früh verloren hat, daß er
ihn kaum kannte, ist die lange gesuchte Lösung gelungen: nämlich einen tragenden
und umhüllenden Halt von zeitloser Form und voll klarer Symbolkraft zu
finden für die alte ehrwürdige Totenglocke, welche ja mahnende Mitte des Mals
sein soll für Auge und Ohr, Mittlerin sein soll zwischen den Toten und den
Lebenden, Bindeglied zwischen Vergangenheit und Gegenwart. So schwebt sie
heute im Rund der Parabel, deren edler Bogen das Tor zur Ewigkeit darstellt,
schwebt sie über der Schwelle zum lichten Jenseits.

Die wir betrauern, haben das Tor zur Ewigkeit durchschritten. Ihre Namen,
auf Tafeln aus Erz gegossen, haben wir im schützenden Mantel des Tores eingelassen
. Im Chor der Namen, die diese Tafeln nennen, sei stets mitbeschworen
der Chor jener, die nicht als Bürger unserer Stadt ihr Leben geopfert und deren
Namen daher hier nicht genannt sind, aber deren Angehörige heute in unseren
Mauern wohnen. Auch für sie ist dieses Ehrenmal errichtet, auch für sie sei
hier ein Ort des Friedens und der Erinnerung. Auch für ihre Angehörigen
soll in diesem Hort des Trostes die Glocke klingen als Zeichen, daß unsere Liebe
sie findet.

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