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Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (31.1969, Heft 2/3)
1969
Seite: 117
(PDF, 16 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mgl-1969-02-03/0055
Müllheimer Flurnamen

Von Otto Ernst Sutter

Alte Gemarkungskarten gehören zu den fesselndsten Zeugen angestammter,
von Geschlecht zu Geschlecht fortvererbter Verbundenheit der ehemaligen Bewohner
mit dem Boden, auf dem sie ihr Dasein fristeten. Man braucht sich nur
flüchtig einmal mit einem solchen kartographischen Bild eines Landschaftsbereiches
zu beschäftigen, um daran erinnert zu werden, wie verarmt wir Menschen der
Gegenwart sind in unseren Beziehungen zu dem Stück Erdkruste, auf dem wir
leben. Die alten, oft freilich nur noch vom gelegentlichen Hörensagen bekannten
Bezeichnungen von Feldern, Äckern, Rainen, Obstgärten, Rebbergen, Wäldern,
Wegen, Straßen, Ortsteilen, Wasserläufen und anderen Erscheinungen, die man
unter dem Begriff „Flurnamen" zusammenzufassen pflegt, sind sehr häufig wichtige
Quellen für historische wie kulturgeschichtliche Studien und Untersuchungen,
aber auch für völlig laienhafte Betrachtungen. Das Interesse für Flurnamen ist
erfreulicherweise in den letzten zwei oder drei Jahrzehnten vielerorts gewachsen.
Die Fundgrube, die sie darstellen für das Wissen um die Eigenart bzw. Besonderheit
einer Landschaft, der Umwelt von Dorf und Stadt, ist unausschöpfbar. Diese
Erkenntnis wird auch bestätigt durch eine wissenschaftliche Abhandlung (als Band
XII der „Forschungen der oberrheinischen Landesgeschichte", Eberhard Albert
Verlag Freiburg 1964), in der Werner Fischer die reichhaltigen, vielfach beinahe
erregend überraschenden Ergebnisse der Forschung und Aufhellung der Flurnamen
der Stadt Müllheim zu einem Beitrag zur Sprachgeschichte und Volkskunde des
Markgräflerlandes zusammengeschürzt hat. Dieses Buch, so darf man gewiß annehmen
, ist im besonderen auch Schulen und Lehranstalten aller Art im Oberland
willkommen. Doch auch der schlichte Heimatfreund wird sich diesen Band nicht
entgehen lassen dürfen. Der Chronist meint, er eigne sich nicht zuletzt zu Geschenkzwecken
. Und, um es gleich anzufügen: Bürgermeister Graf und sein Gemeinderat
haben ein gutes Werk verrichtet, als sie zur Drucklegung der Veröffentlichung
seinen namhaften Zuschuß bewilligten.

Die Stadt Müllheim verfügt über eine Gemarkung von 1546 Hektar, die sich
über drei Geländestufen hinzieht. Werner Fischer schildert die Topographie der
Landschaft in großen Strichen, ehe er dann in einem, 200 Seiten starken I. Teil
darbietet, was er an Flurnamen zusammengetragen hat und an einzelnen Namen
zu deuten vermag. Eine „Heidenarbeit" mag es gewesen sein, die der Verfasser
zu leisten hatte! Man nimmt den Mund wohl nicht zu voll, wenn man von seinem
„Bienenfleiß" beim Sammeln spricht.

Ohne weiteres wird es verständlich erscheinen, daß nicht daran zu denken
ist, in dieser, aus naheliegenden Gründen begrenzten Würdigung des Buches selbst
nur einen annähernd erschöpfenden Begriff vom Ausmaß der Sammlung registrierter
Flurnamen zu geben. Es muß genügen, zu erwähnen, daß beinahe 1000 einzelne
Bezeichnungen erfaßt worden sind. Um indessen dem Leser Gelegenheit zu
verschaffen, mit dem Wesen der Publikation ein wenig vertraut zu werden,
sollen ein paar „Kostproben" aus ihr verabfolgt werden. Dabei werden die Beispiele
aufs Geratewohl ausgewählt.

„Babylon" ist die scherzhafte Benennung des Pavillons auf dem Zielberg,
der ehedem „Zülleberg" hieß. Mittelhochdeutsch bedeutet „Zülle": Kahn oder
Boot. Danach läßt sich annehmen, daß die Erhebung den Namen ihrer Form,
die einem umgestülpten Boot gleicht, zu danken hat. Um 1800 wurde der „Zielberg
" sogar vorübergehend zum „Silberberg". Dessen wird man in Werner
Fischers unterhaltsamen Buch immer wieder inne, daß gerade auch Flurnamen
ihre Schicksale haben.

Gelände bei den „Schloßmatten" wird mundartlich häufig als „Balkan" angesprochen
. Solche schalkhaft anmutenden Bezeichnungen wollen als das genom-

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