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Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (49.1987, Heft 1)
1987
Seite: 156
(PDF, 35 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mgl-1987-01/0158
Die Wehratalbahn, eine strategische Umgehungsbahn

Julius Kraus

Im Jahr 1886 war das Verhältnis zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich so
gespannt, daß durchaus mit der Möglichkeit eines neuen Krieges gerechnet werden mußte
. Es wurde daher geprüft, ob das deutsche Eisenbahnnetz, besonders im Südwesten des
Reiches, den Anforderungen eines Krieges genügen würde. Frankreich hatte bis dahin
große Anstrengungen unternommen, sein Eisenbahnnetz zur Ostgrenze hin militärisch
leistungsfähiger zu machen.

Am 11. März 1887 wurde zwischen dem Deutschen Reich und dem Großherzogtum
Baden im Interesse der Landesverteidigung vereinbart, neben dem Ausbau einiger Strek-
ken der bestehenden Staatsbahn auch neue Eisenbahnen im Südwesten des Reiches zu erstellen
. Es handelte sich hierbei um die Umgehungsbahnen

1. Weil/Leopoldshöhe - Lörrach (6 km) um den Kanton Basel-Stadt;

2. die Verbindungsbahn Schopfheim - Säckingen (19 km),

3. Weizen - Hintschingen (41 km) um den Kanton Schaffhausen.

Der zwischen der Schweiz und dem Großherzogtum Baden im Jahre 1852 ratifizierte,
noch heute gültige Staatsvertrag verbot alle Truppentransporte durch die schweizerischen
Kantone.

Mit großem finanziellen Aufwand und mit fast unüberwindlichen Bauschwierigkeiten
wurden diese drei Umgehungsbahnen nach knapp dreijähriger Bauzeit am 20. Mai 1890
dem Verkehr übergeben.

An dem Bahnbau waren etwa 6 000 Arbeiter beschäftigt. Trotz aller Schutzvorkehrungen
und Sicherheitsmaßnahmen blieben Unglücksfälle nicht aus. 38 Arbeiter verunglückten
beim Bau dieser Umgehungsbahnen tödlich, davon 13 Arbeiter auf der Strecke
Schopfheim - Säckingen. Zum überwiegenden Teil waren italienische Arbeiter beschäftigt
und nur wenige Einheimische. Nach den Angaben von A. v. Würthenau, dem Verfasser
der »Denkschrift über die Erbauung der Bahnen im badischen Oberland zur Umgehung
des Schweizer Gebietes« (o. J.), soll der Grund jedoch nicht darin gelegen haben,
daß diese einheimischen Arbeiter von den Unternehmern nicht eingestellt worden wären
, sondern weil sie selbst weder »Geschick noch Neigung für eine solche Art von Beschäftigung
« besaßen bzw. dieselbe nach wiederholten Versuchen in kürzester Zeit wieder
verließen.

In der Gemeinde Wehr war z. B. ein großes Arbeiterlager errichtet worden. Hierüber
schreibt Rainer Gerber in seiner Broschüre »Die Wehratalbahn - Strategische Umgehungsbahn
im Süd-Schwarzwald« (o. J.):

»Es war nicht leicht, die vielen Fremden unterzubringen. Es mußte daher eine größere
Anzahl solid gebauter Schlaf- und Verpflegungsbaracken erstellt werden. Es zeigte sich
jedoch, daß die Arbeiter diese Baracken nicht gerne benützten. Sie zogen es vor, sich in
den benachbarten Dörfern einzuquartieren, wenn ihre Unterkünfte auch noch so dürftig
waren.

An der Strecke entstanden italienische Wirtschaften und Ladengeschäfte. Der lebhafte
, geräuschvolle Verkehr auf den Straßen erinnerte an kleine italienische Ortschaften, in
denen sich an Sonntagen die ganze Bevölkerung zum Nichtstun auf der Straße versammelt
.

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