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Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (50.1988, Heft 1)
1988
Seite: 82
(PDF, 35 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mgl-1988-01/0084
250 Jahre Saderlach im Banat (1737 -1987)

Hubert Matt-Willmatt

Aus Anlaß der 250. Wiederkehr der Wiederbesiedelung des Alemannendorfes Saderlach
(Zadareni in Rumänien)scheint es angemessen, dieses durch seine Besiedelung
mit dem alemannischen Raum vielfältig verbundene Dorf und seine Geschichte einmal
mehr ins Bewußtsein zu rufen, zumal seit dem Erscheinen der umfassenden Darstellungen
der Professoren Dr. J. Künzig und E. Maenner fünf Jahrzehnte vergangen sind.

Über die Gründung des Fleckens Saderlach im Banat lassen sich keine sicheren Angaben
finden. Gewiß ist jedoch, daß es im 14. Jahrhundert als Zadarlaka selbständige
Pfarrei der damaligen Bewohner war. 1470 kam das Dorf unter die Herrschaft von
Doczi Imre, der sich daraufhin Zadarlaki Doczi Imre nennt. Bis 1551 läßt sich der Bestand
eines Schlosses nachweisen. Die Erinnerung daran ist in der Saderlacher Schloßburggasse
erhalten.

Durch die Türkeneinfälle, vor allem nach der Niederlage bei Mohacs im Jahre 1526,
gelangte ein Großteil des ungarischen Königreiches unter die Herrschaft des Halbmondes
. 1529 gelang es den Türken. Wien für einige Zeit zu belagern. Insbesondere durch
die Umstellung der landwirtschaftlichen Nutzung und der damit verbundenen stärkeren
Betonung der Viehhaltung verkam das Land völlig.

Nach der zweiten, vergeblichen Belagerung Wiens durch die Türken im Jahre 1683
gelang es dem Türkenlouis, 1688 Ungarn und 1691 Siebenbürgen zu erobern und durch
die Siege Prinz Eugens 1716 bis 1718 bei Peterwardein und Temesvar diese Gebiete unter
habsburgische Herrschaft zu bringen. Sogleich nach den Siegen ging man von Wien aus
an die Besiedelung des Banats. Einerseits wollte man zur Grenzziehung Dörfer mit
treuen katholischen Untertanen anlegen, zum anderen das weite, brachliegende Land
rekultivieren lassen. Besonders Kardinal Graf Kollonich begann schon 1689 mit dem
sogenannten Einrichtungswerk.x)

Der erste Plan zur Besiedelung des Banats nennt 1719 die Orte "Temeschburg, Karansebesch
, Lugosch, Pantschowa und Neupalanka". Um Teilen der Bevölkerung das Umsiedeln
in die unbekannte Ferne schmackhaft zu machen, kursierten Werbezettel, welche
die günstigen Bedingungen zur "Auswanderung" nannten: Reisekostenbefreiung,
einige Jahre Steuerfreiheit, Entlassung aus der Leibeigenschaft, eigener Grund und
Boden zur Bewirtschaftung, ein eigenes Haus, das waren die gängigen Zusicherungen
.2' Und sie fanden ein offenes Ohr. Denn nach dem Dreißigjährigen Krieg hatte sich
die Region am Hochrhein immer noch nicht erholt, auch hatte sie unter dem Expansionsdrang
des Franzosenkönigs Ludwig XIV. zu leiden. Kriege wie der Pfälzische Erbfolgekrieg
(1688-1697) und der Spanische Erbfolgekrieg (1701-1714) bedeuteten für die
Bevölkerung Lasten und Abgaben aller Art an die durchziehenden Heere, Einquartierung
, Zerstörung, Brandschatzung, große Not und Teuerung.

Entscheidend für die Auswanderungswilligen war auch die Kleinheit der eigenen
Güter. Bei Erbschaften durften die Güter nicht geteilt werden, zudem waren hohe Erbgeldzahlungen
fällig. Beim Verlassen der Herrschaft und bei Heirat mußte an den
Grundherrn eine Geldabgabe im Verhältnis zum Vermögen entrichtet werden. Die
Todfallgebühr wie das jährlich zu entrichtende Fasnachts- oder Leibhuhn waren sichtbarstes
Zeichen der Unterdrückung. Zu diesen sozialen Gängelungen kamen auch
noch naturbedingte Ereignisse und deren Folgen. Mißernten in den Jahren 1688/89,

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