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Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (51.1989, Heft 2)
1989
Seite: 15
(PDF, 34 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mgl-1989-02/0017
Krieges, und Flüchtlinge aus dem Unterland baten in der oberen Markgrafschaft um Aufnahme
. Leicht fiel das den Einwohnern nicht, denn Hüningen. Freiburg und Breisach, die
französische Festungen geworden waren, mußten laufend verproviantiert werden. Dazu
kamen Lieferungen an Pallisadenpfählen und kaum noch aufzubringende Geldzahlungen, so
daß manche Gemeinde Kredit bei Basler Bankhäusern aufnehmen mußte. Schlimm war das
Jahr 1690, als eine französische Armee wochenlang zwischen Auggen und Müllheim im freien
Feld biwakierte und sich aufführte, "als ob alle wütenden Teufel aus der Hölle losgelassen
wären" (Kirchenbuch Auggen). 1693 wurde Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden, wegen
seiner militärischen Erfolge im Südosten des Reiches der "Türkenlouis" genannt, zur Sicherung
des Oberrheins gerufen. Auf den Schwarzwaldhöhen entstanden Schanzen und Gräben,
und auch Müllheimer Männer mußten ausrücken, um dort Dienst zu tun. Zur militärischen
Auseinandersetzung kam es nicht: der Friede von Ryswijk (Holland) machte dem Krieg 1697
ein Ende.

Im März 1698 kehrte Markgraf Friedrich Magnus nach fast zehnjährigem Exil in Basel in
seine Markgrafschaft zurück. Einen kurzen Aufenthalt in Müllheim benutzte er, um sich vom
trostlosen Zustand des Ortes zu überzeugen. Zur Hebung des Wohlstandes genehmigte er der
Gemeinde, zukünftig einen Wochenmarkt zu halten, sehr zum Leidwesen von Neuenburg, auf
das die Müllheimer bis dahin als Marktort angewiesen waren. Durch die Zerstörungen, die
Neuenburg erlitten hatte, konnte es seiner Aufgabe als Marktort nicht mehr gerecht werden.
Die Folgen für die Gemeinde Müllheim waren überaus positiv. Der erste Markttag wurde am
13. Januar 1699 abgehalten. Im gleichen Jahr bestand in Müllheim neben der "teutschen
Schule" (= Volksschule) eine Lateinschule, aber es ging "darinnen beiderseits schlecht zu"!
Kein Wunder, denn die Zeiten waren alles andere als schulfreundlich.

Schon 1702 stellte der macht- und ländergierige König der Franzosen neue Forderungen, die
zum Spanischen Erbfolgekrieg (1702-14) führten. Auf den spanischen Thron erhoben damals
drei Anwärter Anspruch: Kaiser Leopold L, Ludwig XIV. von Frankreich und der Kurfürst von
Bayern. Bei Hüningen überschritt der französische General Villars den Rhein. Kaiserliche
Truppen unter Markgraf Ludwig Wilhelm lagen ihm vor Müllheim bis Tüllingen (Käferholz)
gegenüber. Der Müllheimer Landsturm stand bei Schliengen. In der Schlacht bei Friedlingen
am 12. Oktober 1702 schlug Markgraf Ludwig Wilhelm die Franzosen, aber auch das
kaiserliche Heer mußte sich zurückziehen. In diesen Tagen spielte sich jenes Ereignis ab. dem
Niedermüllheim den Namen "Türkei" verdankt. Um den Franzosen bei Neuenburg eine starke
Truppenansammlung vorzuspiegeln, mußte die "Türkische Musik" des Markgrafen - Jani-
tscharen. Trompeter und Trommler - einen solchen Höllenlärm entfalten, als ob ein mehrtau-
sendköpfiges Heer im Anmarsch sei. Von den türkischen Musikanten - erzählt der Volksmund
- seien einige in Müllheim hängengeblieben, wie das im Krieg so üblich war. "Sultan" und
"Sultanina" als Zentralfiguren der Fastnachtsclique der "Müllheimer Türken" erinnern heute
noch an diese Ereignisse.

Die harten Kriegszeiten waren mit der Schlacht von Friedlingen noch nicht vorbei. Im
Februar 1703 drangen die Franzosen unter Villars bei Neuenburg und Hüningen wieder über
den Rhein vor. Vom 14. zum 15. Februar übernachtete der General in Müllheim, zog dann aber
in Richtung Freiburg ab. Zurück blieben Schutzwachen, die der Gemeinde viel Geld kosteten.
Im Hin und Her des Kriegsgeschehens hatte Müllheim noch viel zu leiden. Vogt Nikolaus
Blankenborn wurde eines Tages als Geisel abgeholt, um rückständige Zahlungen für die
Schanzarbeiten einzutreiben. Zu den Drangsalen des Krieges kamen Hochwasser (1709 und
1712) und ein extrem kalter Winter (1713/14) sowie Mißernte und Fehlherbst (1714). In
Utrecht (1713), Rastatt und Baden (Schweiz) (beide 1714) wurde endlich Friede geschlossen.
Mit dem Abzug der französischen Besatzung von Freiburg im Januar 1715 kehrte auch im
Markgräflerland Ruhe ein.

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