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Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (51.1989, Heft 2)
1989
Seite: 76
(PDF, 34 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mgl-1989-02/0078
7. Kommt ein Zizinger als Verfasser des Lanzelet in Frage?

Angesichts des in breitem Umfang vorliegenden urkundlichen Materials erhebt sich
nun die Frage, ob der im Jahre 1214 urkundende Kleriker Ulrich weiterhin in leidlicher
Übereinstimmung für den Verfasser des Lanzeier angesehen werden sollte, oder ob vielmehr
davon auszugehen ist, daß durch die Existenz zweier Orte mit der Bezeichnung
'Zatzikhoven eine Unsicherheit hinsichtlich der Herkunft Ulrichs entsteht. Jedenfalls
ist nicht von der Hand zu weisen, daß alle Versuche, die Sprache Ulrichs im hochalemannischen
Gebiet festzumachen, zugleich Argumente für einen Zizinger bereitgestellt
haben. Die Verunsicherung wird noch größer, wenn man bedenkt, daß derThur-
gauer Geistliche zwar eine gewisse Bildung besessen haben muß. lesen und schreiben
konnte und möglicherweise einer Familie des niederen Adels angehörte, ein Zizinger
aber den Vorteil für sich verbuchen könnte, aufgrund der Grenznähe zum französischen
Sprachraum für eine Übersetzertätigkeit, wie sie das welsche buoch sicher vorausgesetzt
hat. viel eher in Frage zu kommen. Die moralischen Bedenken der Forscher des
19. Jahrhunderts bezüglich der Stoffwahl bräuchten gar nicht mehr ausgeräumt zu werden
.

Wenn es einen Ulrich von Zizingen gegeben hat. dessen Nachfahre oder Verwandter
aus späterer Zeit jener um 1278/80 in Freiburg bezeugte Meier Ulrich durchaus gewesen
sein könnte, muß er der gehobenen sozialen Schicht der damaligen Gesellschaft angehört
haben. Vielleicht war er wirklich der Sohn eines Meiers und genoß eine schulische
Ausbildung. In diesem Zusammenhang ist auch festzuhalten, daß der Verfasser
des Lanzelet keine Auskunft über seinen Stand, seine Bildung oder seine sonstigenTä-
tigkeiten gibt. Und daß er Geistlicher gewesen sei, läßt sich aus dem Werk sicher nicht
ohne weiteres erschließen. Verschweigt Ulrich dies alles aus einer gewissen Verlegenheit
, die in seinem Herkommen eine Erklärung findet? Auch in diesem Punkt ließe sich
viel und lange spekulieren. Selbst wenn man aber zugesteht, daß es einen solchen Ulrich
von Zizingen gegeben haben mag, steht man vor einem weit schwierigeren Problem
: Wer war in diesem Fall der Auftraggeber des Lanzelet, wer könnte das welsche
buoch besorgt, teures Pergament gekauft, vielleicht einen Schreiber bezahlt und - vor
allem - das literarische Interesse an Werken dieser Art gehabt haben? Gibt es Hinweise
auf literarische Mäzene im Raum Neuenburg/Freiburg im ausgehenden 12. Jahrhundert
, die unseren Kriterien entsprechen könnten?

8. Bertold V. - Der letzte Zähringer

In der letzten Zeit sind die Herzöge von Zähringen wieder verstärkt unter dem
Aspekt des Mäzenatentums untersucht worden.74) Zwar muß nach wie vor offen bleiben
, ob Hartmann von Aue zur Dienstmannschaft Bertolds IV. oder seines Sohnes,
Bertolds V, gehört hat, doch sind im Verlauf und in der Folge der neueren Diskussion
über diese Frage wichtige Beziehungen nicht zuletzt auch literarischer Art zwischen
den Angehörigen dieser Hochadelssippe und anderen Herrschaftshäusern aufgedeckt
worden.1:>) Gerade die Herzöge von Zähringen rücken als Grundherren auch im engeren
und weiteren Raum um Neuenburg ins Blickfeld, wenn man sich fragt, ob Ulrich
von Zatzikhoven denn wirklich aus dieser Gegend stammen könnte. Denkt man an einen
Zähringer als Mäzen Ulrichs, kommt aber, schon aus chronologischen Gründen,
nur Bertold V als möglicher Auftraggeber in Frage. Halten wir uns also an den letzten
Zähringerherzog und versuchen wir, Anknüpfungspunkte zu finden, die geeignet sind.

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