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Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (58.1996, Heft 1)
1996
Seite: 71
(PDF, 30 MB)
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land zwischen den amerikanischen und russischen Linien. Sie wurden von russischen
Plünderern bedroht und bekamen von wildfremden Menschen Obdach und
etwas zu essen zugesteckt.

Die Wanderschaft ins Ungewisse endete zunächst im Ries in Bayern (Kreis
Nördlingen). Doch die Gemeinde fand hier nur vorübergehend Unterschlupf, denn
es gab nur geringe oder überhaupt keine Arbeitsmöglichkeiten. So war man weiter
auf der Suche. Schließlich verliefen die Verhandlungen mit den zuständigen staatlichen
und kirchlichen Behörden günstig: Die Niederlassung der Flüchtlingsgemeinde
in Südbaden wurde genehmigt.

Der erste Transport von Bayern nach Südbaden traf am 8. Juni 1949 im Flüchtlingslager
Herten ein. Ihm folgten am 15. Juli 1949 der zweite und am 12. August
1949 der dritte Transport. Die Ankommenden wurden zunächst im Flüchtlingslager
untergebracht und in den darauffolgenden Tagen in ihre Bestimmungsorte,
u. a. nach Steinen, eingewiesen.

Zu der ehemaligen Gemeinde aus Tetschen-Bodenbach waren inzwischen andere
Flüchtlinge gestoßen, insbesondere eine Gruppe aus den Orten Sekitsch. Feke-
tisch, Bulkes und Jarek in der Batschka, im ehemaligen Jugoslawien. Auch sie
hatten in ihrer verlorenen Heimat der evangelisch-lutherischen Kirche angehört
und waren Menschen auf Wanderschaft, in der Hoffnung, eine neue Heimat und
eine Existenzmöglichkeit zu finden. Den Flüchtlingen lag sehr viel daran, auch in
der neuen Heimat die kirchliche Eigenständigkeit zu erhalten und sich als geschlossene
Gemeinde einer evangelisch-lutherischen Kirche anzuschließen.

Der Hirschenwirt in Steinen. Karl Gebhardt, stellte großzügig den größten Teil
des Baugrundes für die Siedlung der Flüchtlingsgemeinde zur Verfügung. Unter
den Bürgern von Steinen wurde ein Förderkreis ins Leben gerufen, der mithalf,
den Plan der Siedlung zu verwirklichen.

Die politische Gemeinde Steinen stellte den Bebauungsplan „Neumatt" auf und
übernahm die Erschließung. Damit war der Bau der Siedlung endgültig ermöglicht
. In der ersten Baustufe wurden die von Architekt Preschany. Efringen-Kir-
chen. geplanten 13 Doppelhäuser mit integriertem Kleinviehstall und einem ca. 8
Ar großen Gartenanteil als Nebenerwerbsstellen eingerichtet. Die Bauträgerschaft
für alle 3 Bauabschnitte mit insgesamt 44 Häusern lag beim Hilfswerk der Evangelischen
Kirche in Freiburg. Noch erinnern viele Straßennamen an die damalige
Situation und die geistigen Väter: Gute Hoffnung. Adalbert Stifter. Albert
Schweitzer. Nikolaus Lenau.

Am 17. April 1950 wurde der erste Spatenstich für den Siedlungsbau getan. Die
Siedler führten beim Bau alle Arbeiten selbst aus. zu denen sie nach ihrem Können
und ihren Kräften imstande waren. Männer wie Frauen halfen dabei fleißig mit.

Am 2.September 1950 konnte das Richtfest für die ersten Häuser gefeiert werden
. Im Juni 1951 übersiedelten die ersten Familien in diese Häuser, die übrigen
zogen bis Ende des Jahres ein.

Der Seelsorger der Gemeinde. Pfarrer Präger, wohnte zunächst mit seiner elfköpfigen
Familie im Gasthaus „Zum Hirschen". Als der Beauftragte der Sied-

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