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Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (58.1996, Heft 1)
1996
Seite: 187
(PDF, 30 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mgl-1996-01/0189
Wanderung Realschule/Gymnasium u.a.), soziologische Daten (Schichtzugehörigkeit, Geschlecht
. Entfernung vom Schulort. Familienstruktur) und pädagogische Daten (Noten der
Hauptfächer. Versetzung/Nichtversetzung u.a.) erhoben worden sind. Die Auswertung dieses
ungeheuren Materials geschah im Rechenzentrum der Universität Heidelberg. Hier liegt das
Hauptverdienst von Gabriela Jung, die als Mitautorin des Werkes genannt ist. Dieses Material
war übrigens oft Stoff für Zulassungsarbeiten zur 1. Staatsprüfung der dortigen Studenten unter
Anleitung von Prof. Sehringer.

Zum Hauptversuch gehörte dann die Niveau-Differenzierung der Eingangsklassen (5.
Klassen-Sexten) am Gymnasium Schopfheim, um auf diese Weise leistungshomogenere
Klassen und damit besseren Unterrichtserfolg - gemäß dem unterschiedlichen Lerntempo der
Schüler - zu erreichen. Denn, was im Von ersuch schon deutlich geworden war: Die Alters- und
Leistungsunterschiede in den Klassen sind zu groß. Dies neben der Erkenntnis, daß zu viele
Kinder in der falschen Schule sind und - ganz speziell - daß Schopfheim eine Realschule fehlt.

Nicht unerwähnt soll bleiben, daß die Schopfheimer Elternschaft mitzog und nach entsprechender
Information auch die Presse. Dazu kam dann Unterstützung durch die Bildungsberatungsstelle
Villingen und später durch das „Institut für Bildungsplanung und Studieninformation
" in Stuttgart, das direkt dem Kultusministerium untersteht. Das Unternehmen war also von
oben nicht nur geduldet, sondern wurde, auch finanziell, gefördert.

Unerwartete Schwierigkeiten ergaben sich im Verlauf des Versuchs durch verschiedene
schwerwiegende Eingriffe ins bisherige Schulsystem: So die Schaffung der Nachbarschaftsschulen
unter Aufhebung der sog. Zwergschulen und Errichtung von Schulbus-Zubringersystemen
, vor allem jedoch die explosionshafte Steigerung der Schülerzahlen mit „Student aufs
Land" nach dem Schreckensruf der „Bildungskatastrophe*' und der Lehrerzahlen an den
weiterführenden Schulen, also auch am Gymnasium Schopfheim. Dazu kam eine erstaunliche
Lehrerfluktuation und damit leider auch das Ausscheiden von Kollegen, die sehr engagiert
mitgearbeitet hatten. Damit war die Ausgangsbasis des Versuchs alsbald ins Wanken geraten,
zumal da für die notwendige Information und Motivation der jeweils neuen Lehrer zu wenig
Zeit zur Verfügung stand. Das hat dann zum Abbruch des Hauptversuchs (1974) geführt, was
von Elternseite sehr bedauert wurde.

Der ..Nach versuch" bestand nur noch im Durchtesten der neuen Sextaner nach der bisherigen
Praxis, so daß den „Beratungslehrern", die inzwischen eingeführt worden waren, erheblich
bessere Unterlagen für ihre Tätigkeit zur Verfügung standen als dort, wo nur die Zeugnisnoten
vorlagen. Zum Eklat 1978 kam es schließlich durch den Protest von zwei Elternpaaren gegen
das Testen überhaupt, worauf das Kultusministerium ohne Prüfung der Sachlage ein Verbot
aussprach und die Presse, ohne selbst zu recherchieren, über die Schule und den Schulversuch
herfiel. Hierbei machte das „Markgräfler Tagblatt" immerhin eine rühmliche Ausnahme.

So fragt man sich, was das Ganze letztlich gebracht hat? Sicher eine fundierte Auseinandersetzung
mit dem bisherigen „dilettantischen" Aufnahmeverfahren, bei dem ja die „Folgekosten
" für die Gesellschaft einerseits und für die einzelnen Betroffenen (..Lebensgeschichtliche
Konsequenzen") andererseits in keiner Weise berücksichtigt sind. So in Teil B. Sodann eine
ungeheure Fülle von statistischem Material in den folgenden Teilen C. D & E. das in vielen
Tabellen und anschaulichen Kurv en mit entsprechender Explikation der Fragestellungen und
prägnanten Zusammenfassungen dargestellt ist. Einmalig daran dürfte sein, daß eine Längsschnittstudie
vorgelegt worden ist, die 17 Eintrittsjahrgänge umfaßt, und dies von einer ganzen
Schulregion, die vier Gymnasien und vier Realschulen mit zusammen über 5.000 Schülern
einschließt.

Für die Versuchsschule selbst wird (S. 214) festgehalten, daß „das schulische Fortkommen
der Schüler während der Versuchszeit erheblich verbessert wurde". Und schon bei einem
Zwischenbericht von 1970 anläßlich des 200jährigen Jubiläums der Schule konnte festgestellt

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