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Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (60.1998, Heft 1)
1998
Seite: 54
(PDF, 34 MB)
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mit seinen Freischärlern dorthin ziehen. Doch dieser Plan scheiterte, worüber er
wie folgt berichtet: "Die Hälfte der Mannschaft aber, namentlich sämmtliche
Wehrmänner aus Grenzach. Weil und Inzlingen. welche sich fürchteten mit dem
Feind zusammenzutreffen, zeigte sich abgeneigt gegen Schönau zu marschieren"
(S. 69). Die meisten setzten sich einfach nach Kandern ab, so daß Thielmann nur
noch etwa 100 Leute verblieben. Mit diesen wagte er aber den Marsch nach
Schönau nicht.

Noch am Tag der Niederlage von Staufen, also am 24. September, flohen Friedrich
Müller und drei andere Mitglieder der provisorischen Regierung der "Deutschen
Republik" nach Riehen, wo sie im Gasthaus "Zum Ochsen" abstiegen. Doch
schon am anderen Tag begaben sie sich über Birsfelden nach Liestal.

Im Oktober wurde dann vom Großherzoglichen Untersuchungsgericht in Lörrach
"wegen Aufruhr im September" der "Beschlag auf das Vermögen des Ziel-
wirth Müller in Grenzach" verfügt." '

Wie aus dem obenerwähnten Hausbuch des Vogts Johannes Hartmann hervorgeht
, sind auch nach dieser Niederlage wiederum Truppen in unseren Ort gelegt
worden. Am 8. Oktober vermerkt Hartmann nämlich, daß bei ihm drei Mann des
Großherzoglichen Infanterieregiments. 2. Bataillon. 7. Kompanie auf unbestimmte
Zeit einquartiert wurden (S. 97).

Als im Mai 1849 der 3. badische Aufstand losbrach, war Müller wieder einer
der Aktivsten. Über die damaligen Ereignisse und die Bestrafung der Grenzacher
Teilnehmer berichtet Theodor Scholz in seinem Werk "Revolutionäre ... Der Aufstand
des Jahres 1849 und seine Folgen im Markgräflerland".121 Danach übte
Müller sogar die Funktion eines Kriegskommissärs aus und betrieb in dieser Eigenschaft
"eifrig und selbst unter Drohungen gegen den Gemeinderat von Grenzach
die Ausrüstung und Einübung der für den Dienst der revolutionären Gewalt
bestimmten Wehrmacht..."

Mit diesem bewaffneten Trupp rückte Müller auch vor das Rathaus, weil er sich
gelegentlich einer am 9. Juni 1849 abgehaltenen Gemeindeversammlung beleidigt
fühlte. Dort wurden die Gewehre abgestellt, und dann drang die Wehr unter Führung
ihres Hauptmanns in das Rathaus ein. Nun verlangte man "Satisfaktion" für
Müller, und erst nachdem diese zugesagt war, zog man wieder ab.

Friedrich Müller entging nach dem Scheitern des Aufstandes der Bestrafung
durch seine Flucht in die Schweiz. Bereits im Juli 1849 wurde durch Beschluß des
Großherzoglichen Bezirksamtes Lörrach sein Vermögen "wegen Hochverrats ...
mit Beschla» belest".131

Am 6. Juli 1850 verurteilte ihn dann das Hofgericht zu Freiburg in Abwesenheit
wegen Teilnahme am Hochverrat zu einer gemeinen Zuchthausstrafe von 2 Jahren
oder 18 Monaten Einzelhaft. Der Verteidiger Müllers. Hofgerichtsadvokat Lamey
aus Freiburg, aber schreibt zu dem Urteil, das sich vor allem auf ein schlechtes
Leumundszeugnis des Bürgermeisters und die Meldung eines Gendarmen stützte,
folgendes: "Auch Bürgermeister und Gemeinderat von Grenzach sind von der
Revolution berührt worden und haben ihr gehuldigt, eine Sünde, die sie nach dem

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