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Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (60.1998, Heft 1)
1998
Seite: 59
(PDF, 34 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mgl-1998-01/0061
Auf offener Straße werden den Leuten die Hüte vom Kopf geschlagen, wenn sie
das Militär nicht zuerst grüßen.

Ein Dutzend Spaziergänger, die sich am Sonntag den Markt besahen, wurde
eingesperrt.

Dienstmädchen, welche für ihre Herrschaft einkauften, wurden von den Patrouillen
ins Gefängnis geworfen.
Andachtsübungen der Pietisten sind verboten.
Über gesäte Felder wird nachts patrouilliert.
Der Beifall für badische Musik ist verboten.

Die Tanzerlaubnis und die Feierabendstunde wird von nichtbadischer Militärbehörde
bestimmt.
Die Presse unterliegt der Zensur.

Eine längere Dauer des Kriegsrechts wäre für Kaiser das Eingeständnis: "Wir
müssen ein Land knebeln, das wir nicht regieren können" (S. 315). Diese Appellation
an die Regierung brachte keine Änderung der Verhältnisse.

Wie schlimm die Bevölkerung die preußische Besatzung empfand, zeigt das
"Badische Wiegenlied", worin es heißt:

Schlaf mein Kind, schlaf leis:
dort draußen seht der Preuß!
Deinen Vater hat er umgebracht,
deine Mutter hat er arm gemacht:
und wer nicht schläft in stiller Ruh.
dem drückt der Preuß die Augen zu...33)

Ende 1850 verließen die preußischen Truppen schließlich Baden. In der bereits
erwähnten Ortsbereisung vom 4. Februar 1853 wird dann für Grenzach die nach
der Revolution eingekehrte Friedhofsruhe mit Erleichterung wie folgt beschrieben:

Die "unerfreulichen Zustände haben sich in den letzten 2 Jahren sichtlich gebessert
. Der Pfarrer rühmt den zahlreichen Besuch seiner Kirche und das Streben
nach sittlicher Besserung, welches recht oft zu erkennen sei. Die politischen Par-
teiungen haben aufgehört. Der der Ordnungspartei zugehörige Bürgermeister
Blubacher. welcher früher allerlei Insulten (Beleidigungen) und Angriffen ausgesetzt
war, wurde von dem großen Ausschuß, dessen Mitglieder früher den verschiedensten
Richtungen angehört hatten, einstimmig wieder gewählt. Unter der
Bürgerschaft herrscht, soweit dies in einer Gemeinde sein kann. Einigkeit. Von
politischen Umtrieben, selbst von Seiten der Schweiz her, ist nichts mehr zu bemerken
".34'

So blieben die revolutionären Ereignisse von 1848/49 nur eine Episode ohne
unmittelbare Folgewirkung. Hätten die Revolutionäre Erfolg gehabt, dann wäre
die deutsche Geschichte sicher ganz anders und weniger blutig verlaufen.

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