Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., H 4688,fm
Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (60.1998, Heft 1)
1998
Seite: 73
(PDF, 34 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mgl-1998-01/0075
Das Vereinshaus (evangelische Stadtmission) in der Lörracher Adlergasse
(1873) besitzt an seiner Eingangsfront sehr ähnliche große gekuppelte Rundbogenfenster
(Abb. 3); ebenso erinnert das zentrale Obergeschoßfenster des bereits
erwähnten Amtsgerichts in Schönau (s. Band 2/1997. S. 70 ) an die Hemberger-
schen Fenster der Hebelschule.

Bei der Betrachtung der Schopfheimer Volksschule von 1877 (heute Altbau
der Dr.-Max-Metzger-Schule) ist es aufschlußreich, zum Vergleich einen Blick
auf das etwa ein Jahrzehnt ältere, viel entspannter wirkende ehemalige Amtsgericht
am Ort (s. Band 2/1997. S. 68 f.) zu werfen. Am Schulhaus (Abb. 4) ist die
Fassade deutlich straffer vertikal und horizontal gegliedert. Die Konsolen unter
den hohen Fenstern tragen wirkungsvoll dazu bei. die Vertikalen der Fensterachsen
zu betonen. Die Kombination von Stockwerk- und Fensterbankgesims über
dem Erdgeschoß verhilft dagegen der Horizontalen zu ihrem Recht. Diese Gesimskombination
ist nicht neu (s. Band 2/1997. S. 63): sie wird jetzt in den
Siebzigerjahren aber fast obligatorisch, wobei einmal das Stockwerkgesims, einmal
das Fensterbankgesims kräftiger ausgebildet sein kann. Als Beispiele seien
die alte Schule in Steinen (1877). der Bahnhof in Efringen (1876). das Rathaus in
Egringen (1877) und die Volksbank in der Turmstraße in Lörrach (1874) genannt.
Bezeichnenderweise hat man beim später gebauten Duplikat des 1866 errichteten
Wyhlener Rathauses (s. Band 2/1997. S. 70) diese die Brüstungszone abgrenzende
Stockwerk-/Fensterbankgesimskombination hinzugefügt!

Die Schopfheimer Schule besitzt nicht nur zwei durch Ecklisenen betonte Eckrisalite
, sondern, was noch die Heinrich-Hübsch-Zeitgenossen bei einem so kleinen
Gebäude als übertrieben empfunden hätten, einen weiteren Fassadenvorsprung in
der Portalachse (Abb.5). Das etwa zehn Jahre zuvor gebaute viel größere Bertoldsgymnasium
in Freiburg (zerstört) begnügte sich noch mit zwei mäßig vorspringenden
Seitenrisaliten, und auch die Lörracher Hebelschule kommt noch mit einem -
funktional begründbaren - Mittelrisalit aus. In Schopfheim sind bei dem gequader-
ten Erdgeschoß alle Lisenen mit Bossen versehen. Solche finden sich auch an der
Basis des Sockels. Man sieht: Einerseits ist das klassizistische Ideal der Schlichtheit
und klaren Gliederung noch immer wirksam, aber andererseits wird hier die
Tendenz spürbar, die wir bereits beim Lörracher Rathaus in der Wallbrunnstraße
(s. Bd. 2/1997. S. 72/73 ) angedeutet haben. Die Bossierung der Lisenen zeigt, daß
man nun schon auf eine gewisse Kraftentfaltung Wert legt. Die Bereicherung der
Fassade durch drei Risalite ist eine Absage an die alte spätklassizistische Zurückhaltung
.

Demgegenüber bleibt das alte Schulhaus von Steinen (1877) noch stärker
dem Geist der Sechzigerjahre verbunden. Die gekuppelten Fenster, die verschiedenen
Fensterverdachungen. das Konsolgesims unter den Traufen, selbst die
Attika über der Mitte sind uns schon bei Rathäusern des vergangenen Jahrzehnts
begegnet. Andere konservativ schlichte Schulhäuser der Siebzigerjahre sind u.a.
in Stetten (1877). Wieslet (1876/77), Eimeidingen (1876/77), Mappach (1872
ff.) erhalten.

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