Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., H 4688,fm
Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (60.1998, Heft 1)
1998
Seite: 78
(PDF, 34 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mgl-1998-01/0080
Architekt der beiden 1874 entstandenen Bauten war der Lörracher Stadtbaumeister
Grießer. Bezeichnend für die beiden Gebäude sind die relativ geringe Plastizität
der Fassaden, die schmal-hohen Fenster und der eher sparsam applizierte Dekor
, wozu am Doppelhaus in der Beichenstraße allerdings die prächtigen Karyatiden
und die Greifenkonsolen in wirkungsvollem Kontrast stehen. Im weiten süddeutschen
Umkreis gibt es für diesen eher kühlen, aber gerade am Karyatidenhaus
doch recht festlichen Barock keine alten Stilvorbilder. Hier ist- wie wir das ja auch
in Basel sehr deutlich konstatieren - französischer Einfluß wirksam gewesen5'.

Hatten wir im Kapitel über die Fünfziger- und Sechzigerjahre darauf hingewiesen
, daß Rustikalität im allgemeinen noch keine Rolle spielte, so sehen wir an
einem Ökonomiegebäude in Grenzach, der „Schlößle-Scheune" (1873). wie
nun reichlich Holz und Sägedekor eingesetzt wurden, um einem Ökonomiegebäude
einen entsprechenden Anstrich zu geben (Abb.9). Noch fand allerdings die von
F. Eisenlohr schon vor der Jahrhundertmitte bei seinen ..Bahnwartshäusem*4 gewagte
Verwendung von Fachwerk bei uns keine breite Nachahmung.

1878 wurde in Schopfheim der Grundstein für die katholische Kirche gelegt
(Abb. 10). Lukas Engesser, erzbischöflicher Bauinspektor und treuer Anhänger
von Heinrich Hübsch, lieferte den Plan. Noch 1866 hatte er - ganz in dessen Sinn -
in Höllstein und etwa um dieselbe Zeit in St. Georgen bei Freiburg (hier nach
Plänen von H. Hübsch mit Abänderungen) Rundbogenstilkirchen errichtet. Nun
näherte er sich der Neuromanik. Bogenfriese. kleine Rundbogennischen am Chor.
Würfelkapitelle, ein Stufengewände-Portal mit stilisierten stauferzeitlichen Säulen
, das sind alles Elemente, die Romanik signalisieren. Aber die glatt eingeschnittenen
kreisförmigen Fenster des Schiffes, die Rahmung der mit einer Palmette
bekrönten Figurennische am Turm, die dekorativ durchbrochenen Brüstungsfelder
des Glockengeschosses, natürlich auch die steile Turmpyramide und das saalför-
mige Innere haben mit Neuromanik6' nicht viel zu tun. Engesser, der sich von dem
ihm vertrauten Rundbogenstil nicht so recht lösen konnte, hatte gewiß nicht den
Ehrgeiz, etwa oberrheinische oder hirsauisch geprägte Romanik in charakteristischer
Weise wieder aufleben zu lassen.

1876-78 hatte er schon in Müllheim eine katholische Kirche (Abb. 11) gebaut
, die erhebliche Ähnlichkeit mit der Schopfheimer Kirche besitzt. Beide Kirchen
sind der Bedeutung der beiden einstigen Amtsstädtchen angemessene, wohlproportionierte
und schlichte Bauten, wobei der steinsichtige Buntsandsteinbau in
Schopfheim der vollkommenere, jedenfalls der elegantere der beiden ..Geschwister
" ist.

Fast gleichzeitig (1877-81) entstand, entworfen von Oberbaurat Leonhard, in
Müllheim eine dreischiffige evangelische Kirche mit einem schlanken Turm
über dem Hauptportal (Abb. 12). Hier haben wir nun echte Neugotik eines stilkundigen
Architekten vor uns. Die Spitzbogenkirche von Dossenbach (s. Band 21
1997. S. 79) vom Beginn der Fünfzigerjahre war - wenn man von den neugotischen
Umbauten an der Eichsler Dorfkirche absieht (Erhöhung des Turmes 1852)
- bis jetzt ohne Nachfolge geblieben!

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