Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., H 4688,fm
Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (60.1998, Heft 1)
1998
Seite: 81
(PDF, 34 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mgl-1998-01/0083
Leonhard teilte offensichtlich die Grundeinstellung aller Neugotiker. überhaupt
aller historisierenden Architekten des 19. Jahrhunderts: Keine Nachäffung alter
Stile, keine Kopien! Man wollte im Geiste der alten Stile Neues schaffen, was
natürlich nicht ausschloß, daß man Elemente der Vorbilder kombinierte oder variierte
, auch Details zitierte, sich allgemein an alte Vorbilder anlehnte - aber immer
eben mit der nötigen Freiheit und immer mit der Beteuerung, allem Planen vorrangig
das Prinzip der Zweckmäßigkeit zugrundezulegen. Ein Neugotiker war dabei
gewiß nicht weniger kreativ als ein vergleichbar qualifizierter Architekt unserer
Zeit.

Leonhard ist mit sparsamen Mitteln ein wirklich gotisch aufstrebendes Bauwerk
von beachtlicher Spannkraft geglückt. Beachtenswerte neugotische Vorgängerbauten
gab es im Großherzogtum damals noch nicht viele. Zu erwähnen sind in
diesem Zusammenhang die evangelischen Kirchen von Baden-Baden (1855 ff..
Türme erst 1876) und Offenburg (1857 ff.), beide nach Plänen des 1855 verstorbenen
Friedrich Eisenlohr, die bei der Bauausführung nachträglich allerdings abge-
ändert wurden. Nicht zu übertreffen waren natürlich die damals etwa zehn Jahre
alte Elisabethenkirche in Basel und die etwa gleichzeitig entstandene Stefanskirche
in Mülhausen, die Leonhard sicher kannte.

Am Ende des Jahrzehntes (1879/81. Weihe 1888) steht die nach dem Stadtbrand
an neuer Stelle errichtete Todtnauer Kirche (Abb. 13) des Architekten Georg
Schäfer, eines anderen großherzoglichen Baubeamten. Bei der Betrachtung der
Doppelturmfassade (der ersten in unserer Ecke nach der Fridolinskirche in Stetten)
mit ihren hoch aufstrebenden schlanken Türmen muß man feststellen, daß hier -
von den Turmkuppeln abgesehen - eigentlich der Formenschatz der vergangenen
Jahrzehnte noch einmal auflebt. Die hohe zentrale Rundbogennische, die Halbrundfenster
und Portal aufnimmt, gab es schon bei Weinbrenner und seinen Schülern
. Die außen abknickenden Schrägen der Portal verdachung sind uns bereits in
den Vierzigerjahren begegnet, und ein oktogonales Turmobergeschoß mit schmalen
Rundbogenöffnungen haben wir schon an der Höllsteiner katholischen Kirche
gesehen. Trotzdem hat der Bau einen ganz eigenen Charakter. Er bewahrt, was um
diese Zeit schon recht unüblich ist. noch große Putzflächen. Er ist weder der
Neuromanik noch der Neurenaissance zuzuordnen. Wenn man will, kann man ihn
als eine letzte, eigenwillige Ausformung des Rundbogenstils auffassen, wobei die
hohen schlanken, mit Kuppeln versehenen Türme, die so gut in die Landschaft
passen, eine neue Errungenschaft sind. Neu ist im 19. Jahrhundert in unserer
Südwestecke auch die Verbindung des Zentralbaugedankens mit dem Prinzip des
Wegbaues, d.h. die Kirche ist zwar als „Wegbau'* auf den Chor hin orientiert,
besitzt aber dank den deutlich ausgebildeten Querschiffarmen doch einen ausgeprägten
Zentralbaucharakter. Damit wurde im Grunde ein Hauptanliegen des spätbarocken
Kirchenbaues wieder aktuell.

In Freiburg w urde 1874 die Rotteck-Oberrealschule eingew eiht (1972 abgebrochen
). Sie hatte durchaus Ähnlichkeit mit der oben beschriebenen Lörracher Hebelschule
, u.a. durch die durchgehende Verwendung von Rundbogenfenstern. An

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