Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., H 4688,fm
Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (60.1998, Heft 1)
1998
Seite: 93
(PDF, 34 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Regionalia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mgl-1998-01/0095
hingerichtet werden. Sogar ein nächtlicher Überfall auf das Städtchen soll geplant
gewesen sein. Es handelt sich um einen jener zahlreichen Privatkriege, unter denen
das Elsaß im späten Mittelalter unsäglich zu leiden hatte (538)951.

Daß neben dem Bericht über den Bergbau im Lebertal der Abschnitt über Rufach
zu einem weiteren Höhepunkt in Münsters Beschreibung des Elsaß geworden ist,
dafür bürgen die beiden Gewährsmänner. Konrad Pellikan. selber Bürger dieser
Stadt, und sein Neffe Konrad Lykosthenes (Wolfhart). Sohn des Bürgermeisters
Theodor Wolfhart. Gewiß ist es aber auch darauf zurückzuführen, daß Münster als
junger Franziskanermönch während zw eier Jahre dem Rufacher Konvent angehört
und in dieser Zeit eine ganz besondere Zuneigung zu dieser Stadt gefaßt hat.

Den Namen der auf römischen Ursprung zurückgehenden Stadt deutet Münster
als Rubeaqua. Rotwasser. Dieses Gewässer ist der Ohmbach, dessen Quelle bei
Sulzniatt zu finden ist und der seines roten Wassers wegen früher Rotbach hieß
(538). Während längerer Zeit soll die Stadt mit ihren ansehnlichen Gebäuden
wegen der besonderen Fruchtbarkeit der Umgebung ein bevorzugter Wohnsitz der
römischen Oberschicht gewesen sein. Gute Gesetze gewährleisteten die Erhaltung
des Wohlstands. Besonders streng sei man mit den Dieben verfahren. Daran erinnere
noch immer die Redensart, mit der man ihnen gedroht habe: ..Der alt galgen
zu Rufach hat gilt eichenholtz." Ein kleiner Holzschnitt am Rande des Textes zeigt
den berühmt-berüchtigten Galgen, den die Rufacher. wie Münster anmerkt, zur
Abschreckung an der offenen Landstraße aufgerichtet haben. Nach dem Weggang
der Römer hat der fränkische König Dagobert die Isenburg errichtet. Ihr Name ist
entweder mit ihrer Stärke (Eisen) zu erklären oder leitet sich von der Göttin Isis
ab. ..die den fruchtwachsz soll erfunden han". Auf Veranlassung Dagoberts habe
der aus den Niederlanden stammende Bischof Amandus unter der damals noch
heidnischen Bevölkerung missioniert. Er soll es auch gewesen sein, der Sigisbert,
den Sohn des Königs, im christlichen Glauben unterwies und im Jahre 638 taufte.
Nachmals wurde Amandus Bischof von Straßburg und ..zum treüwen hirten über
das gantz Elsasz" gesetzt. Die Entstehung der Mundat begründet Münster mit der
Legende von Sigisberts Jagdunfall in der Nähe von Ebersmunster. Der vom Pferd
geworfene und von einem Eber auf den Tod verwundete Jüngling wird durch das
Gebet des hl. Arbogast, der von Dagobert zum Nachfolger des verstorbenen
Amandus bestimmt wurde, geheilt, worauf der dankbare Vater dem Bistum Straßburg
jenes Gebiet mit Rufach als Mittelpunkt zum Geschenk macht, das seither als
Mundat bezeichnet wird. Weit herum bekannt und Ziel einer Wallfahrt wurde
Rufach. als es unter Papst Silvester II. (990 - 1080) Reliquien des hl. Valentin
erhielt. Diese für Rufach so günstige Entwicklung nimmt indes schon bald ein
Ende. Münster sieht in dieser Wende das schicksalbedingte Auf und Ab zwischen
Glück und Unglück: ..Und sittenmal auff erden nichts bestendig ist. alle ding auff
unn ab ghan durch glück (und) onglück. ist der statt Rufach nach irer langwerigen
glückseliket. die bey 1000 jaren gewert hat. auch vil onfals zugestanden, dodurch
sie zu hocher armüt kommen ist (542)." Nicht, wie Münster schreibt. 1068 unter
Kaiser Heinrich IV.. sondern erst 1106 unter seinem übelbeleumdeten Sohn Hein-

93


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mgl-1998-01/0095