Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., H 4688,fm
Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (60.1998, Heft 1)
1998
Seite: 135
(PDF, 34 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mgl-1998-01/0137
Warum es gerade Känerkinden war, bleibt unerforschlich. Jedenfalls konnte
Emil Fidel dort das Bürgerrecht für 600 Franken kaufen. Im Gegensatz zur Gemeinde
nahmen es Bund und Kanton mit dem Bewerber ganz genau, wie die
betreffenden Akten im Basellandschaftlichen Staatsarchiv zu Liestal zeigen. Dieser
gab am 17. November 1893 folgende und nicht ganz zutreffende Information
zu Protokoll:

„Ich will mich im Kanton einkaufen, weil ich gegenwärtig
heimatlos bin. Ich habe s[einer]. Z[eit]. nach meiner Entlassung
aus der Festung Rastatt, woselbst ich eine wegen Desertion
ausgesprochene Haft abzusitzen hatte, die Entlassung
aus dem deutschen Staatsverband verlangt, um mich mit meinem
Vater in Riehen einzubürgern. Die Entlassung ist mir
ertheilt worden, nachher bin ich aber in Basel mit meinem
Bürgerrechtsgesuch abgewiesen worden. ... Ich betreibe seit
8 Jahren ein Caroussel. das genügend abwirft, um mich, meine
Ehefrau & meinen 15jährigen Knaben zu ernähren. Ich
habe von meinem Vater noch etwa fr. 10000- Vermögen zu
gewärtigen."

Emil schrieb seinen Namen meist mit accent grave ..Fidel": korrekt französisch
hätte es allerdings ..Fidele" heißen müssen. Zudem verwendete er für sich manchmal
die dritte Person, so am 4. Januar 1894 in einem Brief an die Basellandschaftliche
Justizdirektion:

..Ebenfalls ist er Vater eines Knaben von 15 Jahren, welcher
in republikanischen Verhältnissen geboren u[nd] erzogen ist.
Er ihn folglich vor deutschen Militärdiensten bewahren will,
das ist der Grund [.] warum ihm daran liegt [.] das schweizerische
Bürgerrecht zu erwerben...".

In der Bürgergemeindeversammlung Känerkinden votierten am 24. September
1893 von 34 Berechtigten 25 für und fünf gegen die Aufnahme Fidels. Das Baselbieter
Parlament, der Landrat. erteilte am 19. März 1894 das Kantonsbürgerrecht,
was nochmals 200 Franken kostete. Wieviele Male hatte sich das Karussell wohl
drehen müssen, bis der stolze Betrag, den sich Emil sein Schweizersein hatte
kosten lassen, zusammengekommen war? Er konnte sich seines neuen Heimat-
rechtes nicht lange freuen. Seine Frau ließ sich 1895 scheiden, weil sie nicht
wußte, wo ihr Mann sich aufhielt. Dieser starb im Jahr darauf in Liestal. Der 1879
in Binningen geborene Sohn Emil Friedrich Fidel, dessen Befreiung vom deutschen
Militärdienst den Vater so teuer zu stehen kam. arbeitete als Bierbrauer.
Dienstmann und Droschkier. Eine zweite Ehe führte ihn gen Osten, und am 12.
Februar 1929 beschloß die Regierung des Kantons Basel-Landschaft:

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