Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., H 4688,fm
Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (60.1998, Heft 1)
1998
Seite: 146
(PDF, 34 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mgl-1998-01/0148
deckt, als beim Aushub des Rheinseitenkanals die riesigen Bucyrus-Baggerma-
schinen eine Reihe von 6 gewaltigen Pfeilerfundamenten freilegten.

Der damals zu dieser sensationellen, für die Archäologie höchst wichtigen Entdeckung
herbeigezogene hervorragende Archäologe J.J. Hatt aus Straßburg veröffentlichte
einen Bericht (in Cahier d' Archeologie et d' Histoire. 1952). wovon
hier ein Auszug in deutscher Übersetzung folgt:

..Zwischen Kembs und Kleinkems wurden inmitten des alten Rheinbettes Überreste
von Mauerwerk entdeckt, wobei es sich um Fragmente von Brückenpfeilern
handelte. Gewaltige, mit Sichtmauerwerk verkleidete Fundamentblöcke sowie gehauene
Kalk- und Sandsteinblöcke deuten auf römisches Mauerwerk hin. Steinmetztechnik
und Abmessungen bezeugen den antiken Ursprung. Viermal wurden mächtige
Blöcke von zum Teil über 100 m3 zu Tage gebracht. Diese völlig auseinander
gebrochenen Reste fanden sich mehr oder weniger gruppiert, was auf Brückenpfeiler
hindeutete. Es scheint, als ob die Brücke, nachdem die Uferanwohner die gehauenen
Blöcke weggenommen hatten, vom Hochwasser zerstört wurde. Die höchstgelegenen
Überreste waren etwa 7 m unter der Erdoberfläche, der Unterteil der Pfeiler bei
etwa 14 m auf einer harten Molasseschicht, welche durch ihr stellenweises Hervortreten
an die Oberfläche in der Antike eine bequeme Furt bildete. Diese geologische
Situation, zusammen mit der Verensuna des alten Flußbettes, dürfte ausreichend
gewesen sein zur Wahl dieser Stelle als Brückenübergang.

Sehr wahrscheinlich bestand nur ein etw a 100 m langes, in der tiefsten Stelle des
Flußbettes gelegenes Teilstück aus Mauerwerk, die Verbindung ans Ufer bestand
aus Holzstegen. Tatsächlich wurden Spuren von hölzernem Pfahlwerk gefunden,
als man am rechten Kanalufer die provisorische Pumpstation einrichtete. Die
Überreste erlauben es nicht, selbst annähernd die Struktur des Bauwerkes zu erraten
, aber Abmessungen und Aufbau des Sichtmauerwerks entsprechen den bei
Straßburg gefundenen, welche von der Zeit Trajans herrühren. Also könnte der
Bau von ca. Ende des 1. Jh. stammen.

Gewisse Steinplatten wiesen Holzbrandspuren auf. Es scheint, daß die Pfeiler
allein aus Mauerwerk, der Steg aber aus Holz bestand.

Die geographische und historische Bedeutung des Fundes ist gewaltig. Eine
wichtige militärische Station im 4. Jh. in Kembs mit rechtsrheinischem Brückenkopf
ist sehr glaubwürdig..."

Soweit der Bericht von J.J. Hatt.

Am 16. Juni 1950 berichtete ihrerseits die Mülhauser Tageszeitung
..LALSACE": „...Die 4 Pfeiler, die wahrscheinlich eine Steinbrücke stützten, die
Cambete mit den Kolonien im Badener Breisgau verband... bestehen z.T. aus schweren
behauenen Sandsteinquadern. Man entdeckte auch Teile des Oberbaues. Rundquader
und Platten, die wohl die Chaussee der Brücke bildeten... Von der Brücke
werden zweifellos noch weitere Überreste, vom Kies meterhoch überdeckt, in der
Verlängerung der erwähnten Linie sefunden werden... Die Bedeutung der Entdek-
kung einer Rheinbrücke aus der Römerzeit bei Kembs ist groß. Sie wäre die einzige
aus Stein ausgeführte, die man bisher zwischen Äugst und Mainz entdeckt hat..."

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