Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., H 4688,fm
Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (60.1998, Heft 1)
1998
Seite: 148
(PDF, 34 MB)
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ben!.. Ja. man verbindet jetzt kurzerhand, auf Karten. Zeichnungen, in Fachbüchern
und gedruckten Schriften, munter das linksrheinische Straßennetz über dieses
umstrittene Bauwerk mit demjenigen des Dekumatlandes. ohne irgendeinen
Nachweis von Funden am gegenüberliegenden badischen Ufer zu besitzen.

Die Brücke in ihrer Umw elt.

Voraussetzungen zum besseren Verständnis des Problems ist die gleichzeitige
Einsicht des von der französischen Elektrizitätsgesellschaft E.D.F. angefertigten
Lageplans mit genauer Position der Funde und die ältesten brauchbaren Rheinkarten
des betreffenden Abschnitts, d.h. die Aufrisse aus dem 18. Jh. Seit der Antike
aber floß sehr viel Wasser durch die Rheinauen, die Landschaft stets verändernd
im ewigen Zyklus... Wohin also mit der Brücke?

Ein Vergleich der Noblat-Karte von 1761 mit der Rheingrenzkarte von 1845
zeigt mühelos, daß sich die größeren Inseln bei Kembs, Großgrün und Eselgrün
(auch Sauerbrunnenwört genannt) auf der elsässischen Seite sowie der Lauf des
Rheins auf der badischen Seite nicht wesentlich verändert haben. Eine ältere Karte
von 1722 zeigt das gleiche, wenn auch weniger genaue Bild. Auch der ..Kembser
Rhein", ein Seitenarm, der das sogenannte Eselgrün vom elsässischen Festland
trennt, ist auf allen drei Karten, wie auf Wunsch, kaum verändert. Aus diesen
Tatsachen jedoch zu schließen, daß sich das Flußbild seit der Antike nicht verändert
haben könnte, wäre sicherlich eine gewagte Hypothese, muß aber gleichermaßen
als Möglichkeit angesehen werden.

Wobei man sich immerhin auf die Tatsache stützen kann, daß seit eh und je der
Rhein beim Aufprallen auf den Isteiner Klotz nach links gegen das elsässische
Ufer geworfen wurde und von da wieder nach rechts in die natürliche Verengung
bei Kembs-Kleinkems. Es ist also durchaus möglich, ja wahrscheinlich, daß in
diesem Abschnitt der Hauptstrom schon immer auf die badische Seite gedrängt
wurde, was im Laufe der Zeit zur Entstehung der genannten Inseln im ruhigen
Hinterwasser führte.

Diese Voraussetzungen passen ganz natürlich in das Konzept des Experiments,
und eine genaue Beobachtung des auf einen einheitlichen Maßstab gebrachten
Dokumentes (Abb. 3) gibt an und für sich allein schon die Antwort auf die Kontroverse
:

- die etwa 80 m lange Brücke verband gegebenenfalls das elsässische Festland
sowie die Siedlung Cambete mit einer linksrheinischen Insel, nicht aber mit dem
rechten Ufer bei Kleimkems. wo sehr wahrscheinlich der Hauptstrom floß. Denn
einen solchen muß es zweifelsohne gegeben haben, wenn man weiß, daß die mittlere
Abflußmenge des Rheins rund 1000 mVs beträgt, daß diese aber bei Hochwasser die
5000 mVs übersteigen kann! Da braucht es mehr als einen 80 m breiten Graben!

Ohne Kenntnis der Topographie und ohne Einblick in eine Karte des Rheinlaufs
könnte dies heute - so unglaublich es vielleicht erscheinen mag - allzuleicht über-

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