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Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (67.2005, Heft 1)
2005
Seite: 75
(PDF, 26 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mgl-2005-01/0077
Auf dem Bild ist Hermann Scherer abgebildet, wie er im Reiseanzug auf einer
Wiese sitzt und zeichnet. Scherers Entdeckung des Sommers 1923, nämlich das
Malen und Zeichnen, ist dargestellt. Kirchner stellte sein Bild ein Jahr später in
Winterthur unter dem Titel ..Der Maler'* aus. Dies trug der Tatsache Rechnung,
dass Scherer sich nicht mehr nur als zeichnender Bildhauer, sondern ebenso als
Maler verstand.

Als unzutreffend erweist sich demnach die Annahme, dass er bei Kirchner sofort
bildhauerisch tätig geworden sei. Scherer ist keineswegs konzeptuell unvorbereitet
nach Frauenkirch gekommen. Die erste Begegnung mit Kirchner war weder zufällig
, noch zeigte sich Scherer überstürzt im Umgang mit Kirchners Werk.

Im Gegenteil. Scherers Weg scheint konsequenter, als es die Rezeptionsgeschichte
, die ihn immer als Schüler des Avantgardisten Kirchner gesehen hatte,
lange vermittelte. Scherer wollte von Kirchner in jenen Gebieten lernen, in denen
er seine gestalterischen Schwächen sah.

Auch nahm für ihn die Malerei einen viel größeren Stellenwert ein. als es ihm
die ohnehin dürftige Forschungsliteratur zugesteht. Größere Beachtung als die
Gemälde finden die zwischen 1924 und 1926 entstandenen Holzskulpturen. Die
Forschung sieht in Scherers Auseinandersetzung mit der Kunst Kirchners, die sich
in seinem Werk zunächst in Zeichnungen und Gemälden äußert, einen konsequenten
individuellen Schaffensprozess. der schon durch die Auseinandersetzung mit
Edvard Münch begonnen hatte.

Scherers Werk ist nicht die bloße Adaption von Kirchners Kunstauffassung.
Kirchners künstlerischer Einfiuss war wegweisend und hat Scherers Schaffen
nachhaltig und offensichtlich geprägt. Sein früher Tod im Jahre 1927 lässt jedoch
jede mögliche persönliche und künstlerische Weiterentwicklung offen. Die
..kirchnersche" Schaffensperiode ist das Bindeglied zu Scherers künstlerischer
Eigenständigkeit, frei von Fremdeinflüssen. Eine eigene, unverkennbare Formensprache
hatte er schon zu Lebzeiten erreicht. Seine Werke sind Lebenszeugnisse
eines leider fast vergessenen Künstlers. Sie zeigen die Spuren und Merkmale der
20er Jahre, in denen sie entstanden sind. Ihre epochale Zugehörigkeit zum Spätexpressionismus
ist unverkennbar. Zudem repräsentieren sie Scherers weiten Weg
vom elterlich-bäuerlichen Zuhause bis zur Etablierung seiner Künstlerexistenz in
der Gesellschaft.

Leider wirkte das vernichtende Urteil Kirchners, welches Scherer als „sklavischen
Nachahmer" künstlerisch abwertete und denunzierte, in der Kunstgeschichte
so lange nach, dass erst die Forschung der 80er Jahre den Blick auf das (plastische
) Schaffen Scherers richtete, um es nach seinem ästhetischen und qualitativen
Gehalt zu beurteilen.

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