Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., H 4688,fm
Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (67.2005, Heft 1)
2005
Seite: 92
(PDF, 26 MB)
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Die Kindheit

Die Schule war dann ein erstes hartes Muss. den Lehrer habe ich gefürchtet.
Den Schulweg konnte ich allein bewältigen, denn es gab ja noch keine Autos. Dafür
kam immer eine Schar schnatternder Gänse, die mich verfolgten und die ich
fürchtete. Es gab noch keinen Kindergarten - ich habe daher keine anderen Kinder
gekannt, was sicher nachteilig war. Damals schienen mir acht Jahre eine Ewigkeit
. Nach dem Eingewöhnen ging es besser - man musste ja lesen, schreiben und
rechnen können. Nach vier Jahren Volksschule und vier Jahren Bürgerschule - es
waren die Anfangsklassen für Realschule oder Gymnasium - wäre ich gerne weiter
zur Schule gegangen, um nach dem Abschluss einen Beruf zu erlernen. Mutter
sagte mir jedoch, wir brauchen jetzt Leute zum Schaffen, und Vater war sowieso
nicht dafür. Mädchen brauchen nichts zu lernen. Buben ja. Also blieb man daheim
und half in Feld und Haus. Da war Muskelkraft gefragt, die ich noch nicht hatte.
Wir besaßen acht Kühe und zwei Pferde, etwa 30 Hühner und ein paar Katzen und
Schweine. Alles musste gefüttert und gepflegt werden. Das waren lange Arbeitstage
. Die großen Tiere habe ich gefürchtet. Dabei sollte ich melken lernen, was
mir aber nie gelang. Man hatte ja auch genügend andere Arbeit. Wenn man vom
Feld heimkam, musste man die Eier einsammeln, den Herd anfeuern. Schweinefutter
wärmen. Schweine füttern. Suppe kochen. Salat putzen und waschen. Kartoffeln
schälen und braten. Milch wegbringen und nach dem Essen noch spülen.
Zum Abendessen gab es damals noch kein Brot und keine Wurst.

Der Jahreslauf

Von Februar, wenn die Sonne etwas wärmer schien, bis November löste eine
Arbeit die andere ab. Das begann mit dem Rebschnitt. Rebholzauflesen war Kinderarbeit
. Dann die Reben mit Stroh anbinden. Das erste Rebenhacken war sehr
schwer. Anschließend wurden die Kartoffeln gesetzt. Je nach dem wie es das
Wetter erlaubte und der Boden abgetrocknet war. kamen die Gemüsesamen
in den Boden. Gelbe Rüben. Erbsen. Salate und später die Bohnen. Auch auf
dem Krautland (Bündi) wurden Gurken. Stangenbohnen und alle Kohlarten gepflanzt
. Zwischendurch musste auch gewaschen werden. Es gab ja noch keine
Waschmaschinen, dafür aber schmutzige, verschwitzte Wäsche. Es wurden
10.000-20.000 Dickrüben für die Kühe gepflanzt, was zu Blasen und Schwielen an
den Händen führte. Ein Stall voll Vieh machte viel Arbeit. Ob Sonntag oder Feiertag
, es musste eben gefüttert, gemistet, geputzt und gemolken werden. Außerdem
musste die Milch weggebracht werden. Es gab eine Milchsammelstelle, wo man
die Milch zu einer bestimmten Zeit abliefern konnte. Die Magermilch, die dann an
Schweine verfüttert wurde, bekam man wieder zurück.

Ich selbst bin einmal die Woche auf den Wochenmarkt mit einem Korb voll
Eier und zur Milchsammelstelle mit einem Korb voll Butter. Dazu hatte man ein

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