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Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur (67.2005, Heft 1)
2005
Seite: 94
(PDF, 26 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mgl-2005-01/0096
Das Arbeitsjahr war nun gelaufen, und Weihnachten rückte näher. Vergessen habe
ich noch den Weidebetrieb. Das Gras, das nach der Öhmdernte nachwuchs, wurde
abgeweidet. Dazu trieb man das Vieh auf eine der am nächsten gelegenen Wiesen.
Die älteste Kuh immer voraus, die anderen hinter ihr. und zwar nachmittags, etwa
zwischen 3 und 4 Uhr. Dies ist heutzutage schon wegen des Autoverkehrs eine
undenkbare Sache. Inzwischen wurde der Stall ausgemistet und mit frischem
Stroh bedeckt. Abends zum Melken wurden die Kühe wieder heim geholt.
Wo auf einer Wiese die Kuhfladen lagen, war das grüne Gras dunkler. Dort w uchsen
die Wiesenchampignons. Man musste die Kühe hüten, dass sie nicht auf andere
Grundstücke gingen, und hatte deshalb Hütebuben, meist Jungen im Alter von
13-14 Jahren.

Die Familie

Familiär waren wir so etwas wie ein Clan. Vater hatte drei Geschwister, Mutter
vier. Vaters zwei Jahre jüngere Schwester hatte im Nachbardorf Wollbach einen
Landwirt und Metzger geheiratet, und sie hatten eine Adoptivtochter. Mit ihnen
besaßen wir ein sehr enges Verhältnis. Abwechselnd waren wir am Sonntag zum
Kaffee in Wollbach oder umgekehrt sie bei uns in Wittlingen. Man konnte alles
besprechen, da die Verhältnisse dieselben waren. Dann hatte Vater noch eine acht
Jahre jüngere Schwester, die einen Kaufmann heiratete und mit diesem nach Südspanien
zog. Vater und sein zehn Jahre jüngerer Bruder - er w ar Arzt in Gernsbach
im Murgtal - mussten den 1.Weltkrieg als Soldaten durchstehen.

Mutter hatte vier Geschwister. Die älteste heiratete einen Landwirt und Kaufmann
in Köndringen bei Emmendingen, die zweitgeborene Schwester einen
Schulrektor in Mannheim. Diese habe ich nicht gekannt, da sie früh einem Krebsleiden
erlag. Dann folgte der einzige Sohn, der die Landwirtschaft daheim betrieb.
Nr. 4 war meine Mutter, dann kam noch eine drei Jahre jüngere Schwester, die
in Holzen einen Landwirt heiratete. Auch mit dieser Familie hatten wir ein sehr
enges Verhältnis. Es gab noch kein Fernsehen oder Radio, und so unterhielt man
sich selbst. Bis auf Vaters jüngere Geschwister lebten alle in denselben einfachen
Verhältnissen, daher bestand ein enger Zusammenhalt.

Das Leben im Haus

Im Sommer war der Hof mit Sandhaufen und zwei rot blühenden Kastanienbäumen
unsere Kinderstube und unser Spielplatz. In der kälteren Jahreszeit war
eine größere Stube mit Kachelofen Aufenthaltsraum. Davon waren zwei Drittel die
gute Stube, in der nur am Sonntag Kaffee getrunken und Besuch empfangen wurde
. Im restlichen Drittel, durch eine Bretterwand abgetrennt, wurde gespielt, später
gelernt, gebügelt, genäht, geflickt, d.h. hier spielte sich das tägliche Leben ab.

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