UB Freiburg, H 519,m
Die Ortenau: Zeitschrift des Historischen Vereins für Mittelbaden
43. Jahresband.1963
Seite: 248
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Gottfried Kinkel (1815—1858)

Audi in sturmbewegten Revolutionstagen stand der ehemalige Theologe Gottfried
Kinkel unentwegt zu seinem Auftrag, Mäßigung und Versöhnungsbereitschaft
anzustreben. Nicht aus Ehrgeiz oder gar aus Machtstreben wurde er zum Rebellen.
Ihn zog Mitleid zu den Rechtlosen und Unterdrückten. So beschwor er in der
„Bonner Zeitung" die Regierenden: „Bleiben die Fürsten innerhalb der Grenzen
der Menschlichkeit, dann rückt Schritt um Schritt auch die Guillotine und selbst die
Laterne der Volksjustiz ins Reich der sittlichen Unmöglichkeit."

Nach der Ermordung des Generals von Auerswald und des Fürsten Lichnowsky
in Frankfurt gestand er bestürzt:

„Mit unserer Brust hätten wir die Kolbenstöße von der Brust selbst der gehaßten
Junker abgewehrt."

Er war indessen zu tief in das Zeitgeschehen verstrickt, als daß er sich noch hätte
daraus zurückreißen können. Zu retten, was zu retten möglich schien, stellte er sich
der revolutionären Regierung der Pfalz als Sekretär zur Verfügung, geriet im
Getümmel der Fliehenden und Weichenden in die Festung Rastatt und wurde nach
deren Kapitulation gefangengesetzt. Das Standgericht verurteilte ihn zu lebenslänglichem
Kerker. Nach der Befreiung durch Carl Schurz konnte er sich nach der
Schweiz in Sicherheit bringen. Hier las er über allgemeine Kunstgeschichte und
Ästhetik in Zürich. Sein Epos „Otto der Schütze" zählte einst zu den Standardwerken
der Butzenscheiben-Lyrik.

Joseph Ignaz Peter (1789—1872)

Über Joseph Ignaz Peter aus Achern hat Eugen Beck der Jahresversammlung des
Historischen Vereins für Mittelbaden 1955 zu Achern ausführlich berichtet. Sein
Referat ist im 35. Heft der „Ortenau" enthalten.

Joseph Ignaz Peter wurde unter dem Ministerium Bekk im März 1848 nach dem
politisch unruhigen Konstanz versetzt und geriet dort, gegen seine ursprüngliche
Absicht, in die Wirren des Heckerputsches. Als der Großherzog aus Karlsruhe
geflohen war, drängte man Peter als Justizminister in die provisorische Regierung.

Am 9. April 1850 wurde er des Hochverrats schuldig gesprochen:

„Der landesflüchtige ehemalige Regierungsdirektor in Konstanz, Peter, ist zu
zwanzigjähriger Zuchthausstrafe verurteilt worden."

Durch preußische Waffenhilfe konnte die vorrevolutionäre Landesregierung nach
Karlsruhe zurückkehren. Anläßlich der Neuwahlen zur II. Kammer schmähte die
zur Macht gelangte Gegenpartei:

„Das früher hochrothe Achern, die Heimath des Exstatthalters Peter und seiner
Sippschaft, ruft seinen Beamten und ächt konstitutionellen Direktor der Heil- und
Pflegeanstalt."

Am 23. April 1862 brachten Zeitungsmeldungen Peters Amnestierung.

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