Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., H 519,m
Die Ortenau: Zeitschrift des Historischen Vereins für Mittelbaden
54. Jahresband.1974
Seite: 143
(PDF, 59 MB)
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Auch hier sind wir in der glücklichen Lage, eine Predigt aus der Stiftungszeit
oder wenigstens deren Unterlage oder Entwurf zu besitzen. Diese
Schwedenpredigt soll am Beispiel der Geschichte erweisen, daß Ungehorsam
und Ausnutzung der Freiheit durch weltliche und geistliche Regenten
sowie deren Beharren auf ihren eigenen Grundsätzen und Weisheiten
eine Ausartung nach der anderen nach sich zieht. „Wenn einmahl die
Weltordnung aus ihren Bahnen ausgewichen und überstürtzt, ist solche
nicht so leicht in ihr altes Gleiß zu bringen und verursacht den Zerfall
einer ganzen Nation!" Dieses Schicksal hatte auch das deutsche Vaterland
getroffen, wo „lange Jahre zuvor durch allgemeine vermeinte Volksweisheit
und Klugheit kein Gesetz und Recht mehr galt, wo eine Empörung
die andere verfolgte" und selbst fremde Völker zur Abwehr herbeigerufen
wurden. Es suchte damals „jeder Theil, Deutsche und Schweden, den an
Greuel und Marter, an Mord und Brand zu übertreffen, so, daß nach einem
sechsjährigen Aufenthalt in unsrer Gegend, auf 20 Stund kein Dorf, Flek-
ken und Haus mehr zu fünden war. Es kam in 6 Jahr kein Pflug ins Feld,
dadurch entstand ein Hungersnoth, Pest und Krankheite, und vollends die
Menschen hinweggerafft was die Schweden übrig ließen". Von über 2000
Bewohnern blieben in Oberkirch noch 180 übrig.

Neben diesen Predigtnotizen findet sich eine Skizze der Belagerung aus
dem Jahre 1638, die eindrücklich die von zwei Seiten eingeschlossene Stadt
Oberkirch zeigt. Der beistehende Text macht mit aller Deutlichkeit darauf
aufmerksam, daß die Stadt Oberkirch 1638 mit ungefähr acht- bis zehntausend
Bürgern, Soldaten und Bauern aus der Umgebung besetzt war, die
mit ihren Habseligkeiten hierher geflüchtet waren, um in der mauerbewehrten
Stadt Schutz vor den Schweden zu finden. Dieser Krieg zwang
also das Vierfache der normalen Bevölkerung in die Mauern der Stadt.

Aus dieser Predigtunterlage ersehen wir, wie eindrücklich der Bevölkerung
des 19. Jahrhunderts die Zeit des Dreißigjährigen Krieges vor Augen
gestellt wurde. Dabei brandmarkte man die Schweden als solche nicht zu
sehr, sondern vielmehr die weltlichen und geistlichen Gewalten, die ihre
Freiheit zu sehr ausnutzten und damit die Weltordnung aus dem Gleis
brachten. Dieses Verhalten verursachte schließlich den Zerfall der ganzen
Nation. Werden hier vielleicht schon Ideen jener Zeit um die Revolution
von 1845 ersichtlich? Denn in den vierziger Jahren wuchs die Unzufriedenheit
in Deutschland immer mehr. Soziale und nationale Ursachen sind
dabei in gleicher Weise maßgebend. Das aufstrebende Bürgertum verlangt
nach Mitbestimmung im Staat und fordert die Bildung eines Nationalstaates
. — Gerade diese beiden Forderungen werden in der Predigt angesprochen
.

Die Frage nach einem direkten Zusammenhang des soeben als gemeinsam
skizzierten Gedankengutes, die hier als solche im Räume belassen werden

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