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Die Ortenau: Zeitschrift des Historischen Vereins für Mittelbaden
54. Jahresband.1974
Seite: 164
(PDF, 59 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/ortenau1974/0166
Da hierüber keine schriftlichen Quellen Auskunft geben, auch keine Ortstradition
besteht, muß man sich bei ihrer Deutung auf Vermutungen beschränken
.

Der Raum, den die im Innern freigelegte Mauer8 umschließt, ist geostet.
Er muß dementsprechend ein Sakralraum gewesen sein. Wie die Grabungen
ergaben, hatte er weder einen rechteckigen noch einen runden Chor.
Es handelt sich also um eine kleine rechteckige Saalkirche. Von diesem
Kirchentyp behauptet Leonards,9 er sei der älteste Kleinkirchentyp; er war
über die ganze damalige christliche Welt verbreitet, konnte allerdings für
das alemannische Gebiet rechts des Rheins bis jetzt nicht nachgewiesen
werden.

Eine gewisse Verwandtschaft mit den Mauerresten im Innern zeigen die
von K. List freigelegten Fundamente in der Kirche zu Höllstein,10 Kreis
Lörrach, die ebenfalls zu einer Saalkirche ohne Chorabschluß gehören.
Nach der Bauchronologie ist dieser Bau vorromanisch und vermutlich im
9. oder 10. Jahrhundert entstanden. Sofern die Verwandtschaft zutrifft,
hätten wir es bei dem Vorgängerbau der heutigen Nikolauskapelle mit
einer der ältesten Kleinkirchen unserer Gegend zu tun.

Noch schwieriger ist die Deutung der Mauerreste außerhalb der Kapelle.
Einige von ihnen lassen sich in eine Umfassungsmauer einordnen. Jene
auf dem Platz vor der Kapelle gehören zu einem Bau, der mit dieser in
Verbindung gestanden sein muß. Vielleicht handelt es sich dabei um eine
Herberge für durchreisende Pilger, wahrscheinlicher um einen Teil einer
Anlage zum Schutz des Übergangs über die Acher.

Die hohen unverputzten Wände aus Wackensteinen, das steile Dach, an der
Seite der kleine Rundturm geben der heutigen Nikolauskapelle ihr charakteristisches
Gepräge.

Das Fundament schließt sich unmittelbar an das des Vorgängerbaues an. Darum
ist auch sie eine Saalkirche ohne Chor. Ihre Länge beträgt 6,2 m, ihre Breite
5,25 m und ihre Höhe 6,22 m. Die Mauern haben eine Breite von 0,60 m, das
Fundament eine Tiefe von 1,18 m. Das Mauerwerk besteht aus meist kleineren
Wackensteinen, außerdem aus einzelnen behauenen und unbehauenen Sandsteinen
.

Dur Turm hat eine Höhe von 15,75 m und einen Durchmesser von 1,26 m i. K.
Im Innern zieht sich um eine Spindel eine Treppe mit Sandsteinplatten bis fast
in die Höhe der Fenster hoch. Das Mauerwerk des Turmes besteht in seinen unteren
Schichten aus Wackensteinen; auf diese folgen Schichten aus Backsteinen
mit verschiedener Höhe und darüber wieder solche aus Wackensteinen. Das

8 Die Annahme, es handle sich bei dieser Mauer um eine Stützmauer für die Wände der heutigen Kapelle,
ist aus statischen Gründen abzulehnen.

9 L. Leonards: Frühe Dorfkirchen im alemannischen Oberrheingebiet rechts des Rheins. Diss. Karlsruhe,
1958 (Masch.) S. 136.

10 Vorromanische Kirchenbauten. Katalog der Denkmäler bis zum Ausgang der Ottonen, hrsg. vom
Zentralinstitut für Kunstgeschichte, 1966 S. 414.

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