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Die Ortenau: Zeitschrift des Historischen Vereins für Mittelbaden
60. Jahresband.1980
Seite: 208
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Der Bühler Arbeiter- und Soldatenrat

Dr. Suso Gärtner

In den letzten Tagen des ersten Weltkriegs, als die militärische Niederlage
längst feststand, gab die Admiralität der Hochseeflotte den Befehl zum Auslaufen
. Sie zog einen ehrenvollen Untergang dem schmachvollen Ende der Kapitulation
vor.1 Um die Schiffe an der Ausfahrt zu hindern, rissen die Matrosen
das Feuer unter den Kesseln weg. Die Meuterei, die am 29. Okt. in Wilhelmshafen
begonnen hatte, griff wie ein Lauffeuer auf die andern Küstenstädte
über. Am 4. November war Kiel in den Händen der Matrosen. Auf den
Kriegsschiffen wehte die rote Fahne. In München wurde am 7. November die
Republik ausgerufen. Reichskanzler Prinz Max von Baden verkündete am
9. Nov. in Berlin den Thronverzicht des Kaisers. Um 2 Uhr nachmittags rief
Scheidemann vom Balkon des Reichstagsgebäudes die Republik aus. Am
11. Nov. wurde der Waffenstillstand unterzeichnet.

Nach Hause reisende Matrosen trugen die revolutionären Ideen nach Baden.2
Am 8.11. bildete sich in Mannheim ein Soldatenrat. Entscheidend waren die
Vorgänge in Karlsruhe, dem Sitz der badischen Regierung. Hier war man bemüht
, „einen möglichst reibungslosen Übergang von der Monarchie zur Republik
zu finden."3 Ein Wohlfahrtsausschuß sollte der neuen Bewegung den
Wind aus den Segeln nehmen. Aber der Soldatenrat verhinderte die Veröffentlichung
seines Aufrufs im Karlsruher Tagblatt. Die bisherige Regierung
mußte zurücktreten. Eine vorläufige Regierung, in der die linken Parteien
SPD (5) mit der USPD (2) zahlenmäßig das Übergewicht bei der Besetzung der
Ministerposten hatten, trat an ihre Stelle. Großherzog Friedrich II. war nach
dem „Putsch-Versuch" des renommierenden Matrosen Klumpp vom Karlsruher
Schloß nach Zwingenberg bei Eberbach geflüchtet.4 Am 14. 11. verzichtete
er auf die Ausübung der Regierungsgewalt. Acht Tage später konnte er
schließlich zum Thronverzicht bewogen werden.

Am 11. November gab die neue Volksregierung zusammen mit den Arbeiterund
Soldatenräten ihre Ziele und Aufgaben bekannt: Aufrechterhaltung von

1 K. D. Erdmann, Die Zeit der Weltkriege, in: Gebhardt, Handbuch der deutschen Geschichte,
Bd. 4, Stuttgart 91976, S. 141 ff.

2 W. E. Oeftering, Der Umsturz 1918 in Baden, Konstanz 1920. — G. Kaller, Die Revolution
des Jahres 1918 in Baden und die Tätigkeit des Arbeiter- und Soldatenrats in Karlsruhe, in:
ZGO 114 (1966), S. 301 - 350. — Ders., Zur Revolution von 1918 in Baden. Klumpp-Putsch
und Verfassungsfrage, in: Oberrhein. Studien II (1973), S. 175 - 202

3 Kaller, Zur Revolution, S. 177

4 Kaller, Zur Revolution, S. 188 ff.

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