UB Freiburg, H 519,m
Die Ortenau: Zeitschrift des Historischen Vereins für Mittelbaden
60. Jahresband.1980
Seite: 260
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/ortenau1980/0262
1806 wurde die „Schul", wie man die Synagoge nannte, erstmals renoviert.
Für die Unkosten mußten von jedem abgeschlossenen Pferdehandel 12 und
von jedem Rindviehhandel 6 Kreuzer abgegeben und außerdem eine Schächtabgabe
entrichtet werden (siehe oben, S. 258). Infolge des Anwachsens der Gemeinde
fand 1865 ein größerer Umbau der Synagoge statt. Dabei wurden auch
neue Fenster und eine neue heilige Lade eingebaut. Die Umbaukosten von
rund 1000 Gulden wurden durch die Versteigerung der Synagogenplätze aufgebracht
. Damals bildeten die Synagogenplätze noch eine ansehnliche Einnahmequelle
für die jüdische Gemeinde. Die Preise der Synagogenplätze bewegten
sich in den Jahren 1860 bis 1890 zwischen 100 bis 300 Mark. Die hintersten
Plätze wurden zu billigerem Preis jährlich verpachtet. Wie in anderen Orten
kam es bei den Versteigerungen gelegentlich zu Rangstreitigkeiten, die nicht
selten durch gerichtliche Vergleiche beigelegt werden mußten. Im 20. Jahrhundert
hatten die Synagogenplätze infolge der geringen Zahl von Gemeindemitgliedern
jeglichen Ertragswert verloren.

Der Text einer 1878 vom Synagogenrat erlassenen Synagogenordnung läßt
darauf schließen, daß es beim Gottesdienst mitunter turbulent zugegangen
sein muß: durch die Synagogenordnung wurde den Besuchern des Gottesdienstes
eine reinliche und anständige Kleidung, an Sabbath, Feiertagen, Halbfeiertagen
und Purim eine Hutbedeckung zur Pflicht gemacht. Lautes Beten,
gegenseitige Unterhaltung, gruppenweises Beisammenstehen vor der Synagoge
wurde verboten. In einer Ergänzungsbestimmung wurde u.a. das Herumreichen
der Tabaksdose, Kauen von Tabak, das Spucken im Gang, Schlafen
und lautes Gähnen als unzulässig erklärt!

Das Frauenbad war im Gebäude der israelitischen Volksschule untergebracht.

Bis 1880 wurden die Toten in Schmieheim begraben. Seither besaß die Gemeinde
einen eigenen Friedhof, außerhalb des Ortes auf der höchsten Erhebung
der Gemarkung gelegen.

7. Vereine

1856 wurde ein Jünglingsverein gegründet, 1865 der Krankenverein, 1875 der
Synagogenchor. Der Krankenverein besaß eine Krankenkasse, welche mit
kleinen Beiträgen aus allen Bevölkerungskreisen gespeist wurde. Der Synagogenchor
mußte 1914 bei Kriegsausbruch aufgelöst werden wegen Mitgliedermangel
. Er wurde 1927 von Oberlehrer Schleicher neu gebildet. Im gleichen
Jahr konnte die jüdische Gemeinde ihr 220jähriges Bestehen feiern.

8. Das Verhältnis von Juden und Christen

Während der l. Hälfte des 19. Jahrhunderts war das Verhältnis zwischen Juden
und Christen in Nonnenweier nicht das Beste. Manche christlichen Eltern

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