UB Freiburg, H 519,m
Die Ortenau: Zeitschrift des Historischen Vereins für Mittelbaden
60. Jahresband.1980
Seite: 293
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IV. Besondere Ereignisse im Lebenszyklus

1. Kindheit — Geburt

Früher war es nicht üblich, daß die Frauen zum Entbinden ins Spital gingen.
Sie brachten ihre Kinder zu Hause auf die Welt, im Beisein einer christlichen
Hebamme. Nur bei schweren Geburten rief man den Arzt aus einer Nachbargemeinde
zu Hilfe. Für die Zeit der Entbindung nahm man eine jüdische Wochenbettpflegerin
ins Haus, die zwei bis drei Wochen lang dablieb. Diese Frau
kam von auswärts, da es in Nonnenweier niemanden Geeignetes gab.

Brit Milah (Beschneidung)

Wenn ein Junge geboren war, half die Wochenbettpflegerin mit bei den Vorbereitungen
für die Beschneidung, die am achten Lebenstage im Elternhaus
des Neugeborenen stattfand. Durch die Beschneidung „wird der Junge aufgenommen
in den Bund, den Abraham mit Gott geschlossen hat".

Am Tag der Beschneidung kamen viele Verwandte und Bekannte ins Haus.
Alle Anwesenden, Männer, Frauen und Kinder, sollten die Brit Milah miterleben
, in Erfüllung der Gebote. In der Praxis verhielt es sich jedoch so, daß meistens
nur die Männer im Beschneidungszimmer dabei waren, während die
Frauen und Kinder sich in den anderen Räumen aufhielten. Dies mag daran
gelegen haben, daß die Zimmer in den meisten Häusern klein waren, und daß
bei der Beschneidung, wenn die Segenssprüche gesagt werden, mindestens
zehn Männer, Minjan, dabei sein müssen.

Der Mohel, welcher die Beschneidung rituell durchführte, kam wahrscheinlich
von auswärts. Eine wichtige Rolle spielten die Gevattersleute, meist die Mutter
des Vaters und der Vater der Mutter: während erstere, von den anwesenden
Frauen begleitet, das Kind bis an die Tür des Raumes brachte, in welchem die
Beschneidung stattfinden sollte, nahm letzterer den Knaben dort im Empfang.
Als Gevattergeschenk bekam der Neugeborene ein Halsband, in das Münzen
eingenäht waren. Bei der Beschneidung erhielt das Kind einen jüdischen Namen
.

Holegrasch (das Namensgebungsfest)

Die Wöchnerin verließ das Haus erstmalig einige Wochen nach der Geburt, an
einem Samstag. Ihr erster Weg führte in die Synagoge. Am Nachmittag dieses
Tages wurde zu Hause ein kleines Fest abgehalten, die sogenannte Holegrasch
. Diese fand sowohl bei neugeborenen Mädchen als auch bei Buben
statt.

Die Verwandten, vor allem aber die jüdischen Kinder aus dem Dorf, wurden
dazu eingeladen. Das Neugeborene lag in einem Korb, alle Kinder stellten sich

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