Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., H 519,m
Die Ortenau: Zeitschrift des Historischen Vereins für Mittelbaden
65. Jahresband.1985
Seite: 251
(PDF, 87 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Regionalia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/ortenau1985/0251
Das mittlere Kinzigtal zur Stunde Null — Kriegsende
und Besatzung 1944/45

Manfred Hildenbrand

„Ein Wort habe ich nie kennengelernt,
es heißt: Kapitulation . . . Ein November
1918 wird sich niemals mehr in der
deutschen Geschichte wiederholen."

Adolf Hitler am l. 9. 1939

Vorbemerkungen

Vierzig Jahre nach Ende der NS-Gewaltherrschaft und des Zweiten Weltkrieges
— das ist kein Grund, ein Jubiläum zu feiern, aber doch ein berechtigter
Anlaß, sich zu erinnern, was damals im mittleren Kinzigtal und besonders in
Haslach i. K. geschah; denn schließlich richteten die braunen Machthaber gegen
Ende des Krieges gerade in der Hansjakobstadt Haslach ihre berüchtigten
Stätten des Grauens, der Versklavung von Menschen ein, erstellten sie zwei
Konzentrationslager, in denen Menschen zu Tode geschunden, auf unmenschliche
Weise getötet wurden.

Zusammenbruch, Befreiung und Besatzung haben auch die politische und
soziale Situation der Menschen im mittleren Kinzigtal geprägt, freilich in
einem sehr unterschiedlichen Ausmaß. Für die rund 1000 Häftlinge der beiden
Haslacher KZ-Lager und die Hunderte von ausländischen Zwangsarbeitern im
mittleren Kinzigtal war der Einmarsch der französischen Truppen eine wirkliche
Befreiung, für die Mehrheit der Kinzigtäler Bevölkerung aber dürfte zunächst
die Erfahrung bestimmend gewesen sein, daß das Jahr 1945 ein Sturz in
die Tiefe mit einer großen sozialen Verelendung, persönlichen Unsicherheit,
politischen Ohnmacht und Abhängigkeit von der allmächtigen französischen
Besatzungsmacht war. Die damals geprägte Formel von der „Stunde Null"
gibt eine doppelte Erfahrung wieder: Für die einen bedeutete sie totalen
Zusammenbruch und Perspektivlosigkeit für die Zukunft, allenfalls die Aussicht
, noch einmal ganz von vorn anfangen zu müssen, für die anderen erschien
sie auch als eine Chance, etwas völlig Neues zu beginnen und dafür sorgen
zu können, daß sich eine Katastrophe wie die des Nationalsozialismus niemals
wiederholen würde.

Wie kein anderes Themenfeld der Zeitgeschichte bedarf das Ende der NS-Gewaltherrschaft
und des Zweiten Weltkrieges als „Politik von oben" die leben-

251


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/ortenau1985/0251