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Die Ortenau: Zeitschrift des Historischen Vereins für Mittelbaden
65. Jahresband.1985
Seite: 255
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ten vor Kriegsende verschlechterte sich zusehends. Waren die Lebensumstände
der deutschen Bevölkerung gegen Ende des Krieges schon schlecht genug, so
waren sie für die Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter noch wesentlich
schlechter. Ihre Unterbringung in konzentrationslagerähnlichen Behausungen
und Baracken war ebenso unzureichend wie die Nahrung, die sie erhielten.
Am besten hatten es die ausländischen Zwangsarbeiter, die in der Landwirtschaft
beschäftigt waren. Die meisten Landwirte im Kinzigtal dachten: Wer
mit uns arbeitet und fleißig ist, der genießt unser Vertrauen, gleichgültig, ob er
Deutscher, Russe oder Pole ist.

Die fanatischen Nationalsozialisten dachten jedoch anders. Bereits am
24. November 1942 wurde durch die Haslacher Nazis beim Schießstand im
Bächlewald ohne Gerichtsurteil der 31jährige Pole Jan Ciechanowski gehängt,
weil er mit einer deutschen Frau ein Liebesverhältnis eingegangen war. Zwei
Polen mußten ihren Landsmann aufhängen. Sämtliche Polen aus Haslach und
Umgebung wurden gezwungen, diesem schrecklichen Schauspiel beizuwohnen
. Die Frau wurde verhaftet und ins Gefängnis eingeliefert29. Im Februar
1946 wurde an der Hofstetter Landstraße in Höhe der Hinrichtungsstelle
durch die damals in Haslach noch anwesenden Polen ein Gedenkstein aufgestellt
, der vom Haslacher Bürgermeister Julius Münzer30 in Auftrag gegeben
worden war31. Der Gedenkstein für Jan Ciechanowski stand nur für kurze
Zeit. Eines Morgens war er verschwunden. Offensichtlich hatte jemand seinen
Anblick nicht länger ertragen können. Er wurde niemals wieder ersetzt32.

Glimpflich kamen zunächst die russischen Gefangenen davon, die in einem
Haslacher Betrieb beschäftigt waren. Als man in ihren Unterkünften im Mai
1944 selbstgefertigte Dolche entdeckte, wurden sie „nur" verprügelt33. Über
ihr weiteres Schicksal ist nichts Genaueres bekannt. Einige von ihnen wurden
später jedoch in „Schutzhaft" genommen, was bei ausländischen Arbeitern
und Kriegsgefangenen meistens bedeutete, daß sie in ein Konzentrationslager
eingeliefert wurden. Ein solches war im August 1944 von der SS in Haslach
eingerichtet worden, in dem sich unter seinen Hunderten von Häftlingen ständig
etwa 50 bis 60 russische Kriegsgefangene befanden.

Beim Herannahen der französischen Truppen verloren die Nazis vielerorts die
Nerven. Am 17. April 1945, sechs Tage, bevor die Franzosen Wolfach besetzten
, wurden auf dem Kreuzberg bei Wolfach ohne vorheriges Gerichtsurteil
sechzehn politische Häftlinge, dreizehn französische Widerstandskämpfer,
zwei Italiener und ein Pole, die im Wolfacher Amtsgerichtsgefängnis eingesperrt
waren, auf Befehl der SS von Mitgliedern einer Volkssturmeinheit aus
dem Raum Rastatt/Gaggenau/Baden-Baden erschossen. Unter den Ermordeten
befand sich auch der katholische Pfarrer Josef Stamm aus Thann im
Elsaß34.

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