Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., H 519,m
Die Ortenau: Zeitschrift des Historischen Vereins für Mittelbaden
69. Jahresband.1989
Seite: 54
(PDF, 111 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Regionalia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/ortenau1989/0054
Die Bauernunruhen in der Ortenau (1789)

Erwin Dinier

Frankreich befand sich vor der Revolution in einer schweren finanziellen
Krise und trieb dem Bankrott entgegen. Der französische Historiker Georges
Lefebvre führt „eine wahrhaft ungewöhnliche und unvorhersehbare
Kombination unmittelbarer Ursachen" an: ,,eine Finanzkrise, deren Tragweite
mit dem Krieg in Amerika zusammenhing; eine Beschäftigungskrise,
die durch den Handelsvertrag von 1786 und den Krieg im Orient ausgelöst
war; eine Teuerungs- und Verknappungskrise infolge der schlechten Ernte
von 1788 und des Edikts von 1778, das den Export von Getreide genehmigt
und dadurch die Speicher geleert hatte".1 Eine Reformierung und Modernisierung
des Staates unter dem schwachen König Ludwig XVI. scheiterte an
dem heftigen Widerstand der Aristokratie, die um keinen Preis ihre Privilegien
aufgeben wollte und auf Grund ihrer Opposition nach Auffassung führender
französischer Historiker den Ausbruch der Revolution schließlich
selbst zu verantworten hatte.

Der 1787 ernannte Finanzminister de Brienne, Erzbischof von Toulouse, sah
sich gezwungen, die Generalstände auf den 1. Mai 1789 einzuberufen. Nach
der Verkündung einer liberalen Wahlordnung vom 24. Januar 1789 mußten
die intensiven Wahlvorbereitungen angesichts der engen wirtschaftlichen,
territorialen und verwandtschaftlichen Beziehungen über den Rhein, der damals
noch keine Zollgrenze war, auch die Gemüter diesseits bewegen.

Ludwig XVI. hatte versichert, daß jeder in den entferntesten Gebieten seines
Königreichs und in den unbekanntesten Hütten seine Wünsche und Forderungen
direkt bis zu ihm tragen könne. Die Anfertigung der Beschwerdehefte
, der cahiers de doleances, in der untersten Stufe der Kirchspiele beschäftigte
natürlich die ganze Gemeinde und führte zu einer allgemeinen
Diskussion, die auch rechtsrheinisch auf größtes Interesse stoßen mußte. Da
Straßburg das regionale Wirtschaftszentrum darstellte, so brachten insbesondere
die Marktbesucher stets die neuesten Nachrichten mit nach Hause.

Von den elsässischen Beschwerdeheften berichtet Wackernagel2, daß sie in
der Hauptsache die Beibehaltung der provinzialen Sonderstellung, das Zugeständnis
der Vorrechte einer wirklich fremden Provinz, daneben vereinzelt
die freie Wahl der Munizipalverwaltungen und die Verminderung der Abgaben
an die Grundherrschaften zum Inhalt hatten.

Wenn drüben der Dritte Stand die vollständige bürgerliche Gleichheit, die
Abschaffung des verhaßten Zehnten und die Aufhebung der drückenden

54


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/ortenau1989/0054