UB Freiburg, H 519,m
Die Ortenau: Zeitschrift des Historischen Vereins für Mittelbaden
69. Jahresband.1989
Seite: 68
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Behausung. Ihm wurde mit dem Tode gedroht, falls er sich nicht umgehend
aus dem Ort begeben und versprechen würde, nie mehr zurückzukehren.
Schließlich versammelten sich fast alle Bürger von Renchen vor und in der
„Krone", wo das Oberamt einige Geschäfte erledigte, und forderten die Abschaffung
des Procuratoris fisci, über den sie so aufgebracht waren, daß sie
ihn beim Auftreten gemeinsam mit anderen Gerichten totschlagen wollten.
Kein Wunder: „Der Steuerpächter war während der Pachtzeit angehalten,
seine Rechte rücksichtslos wahrzunehmen und vor allem keinen Nachlaß zu
gewähren."13 Der Prokurator wollte es darauf nicht ankommen lassen und
verließ mit seinem hochschwangeren Weib und seinen Kindern Oberkirch.

Ferner beklagten sich die Bauern, daß ihnen durch Sperrung der Waldungen
der Weidegenuß entzogen worden sei, auch über die grobe Art, mit welcher
der Oberförster den geringsten Waldfrevlern begegne. Außerdem forderten
sie, daß der Gemeinde neue Vorsteher gegeben werden sollten.

Um einen größeren Tumult zu vermeiden, und nachdem die alten Vorsteher
mehr oder minder freiwillig aus dem Amt schieden, willigte das Oberamt
ein und forderte sie auf, die übrigen Beschwerden schriftlich niederzulegen.
Am 17. und 18. wurden daraufhin im Gericht Renchen die Beschwerden gesammelt
, doch die Gemeinde Wagshurst hatte mehr im Sinn: am 18. 8. erschien
sie bewaffnet in Renchen, um mit dieser und der Gemeinde Waldulm
als Genossen eines bei Allerheiligen gelegenen Waldes den Prälaten des Klosters
zu überfallen, um ihn zur Zurücknahme eines laufenden Prozesses zu
zwingen (nach Börsig fand die Zusammenrottung zum Ansturm auf das Kloster
Allerheiligen wegen des Kriesbaumwaldes schon am 14. 8. statt). Auch
hier konnte das Oberamt zunächst das geplante Vorgehen durch Einlenken
hinsichtlich der Auswahl neuer Ortsvorsteher abwenden.

20. August: Sasbacher Schultheiß gefangen nach Renchen geführt

Die Zeichen im Oberamt standen wirklich überall buchstäblich auf Sturm!
Am 20. August folgte dem Gericht Renchen wohl ebenso vollzählig das Gericht
Sasbach mit einem Sturm auf das Haus des Schultheißen, den man als
Gefangenen zu Fuß unter Trommeln und Pfeifen, auch fortwährendem
Schießen vor das Amtshaus in Renchen führte. Dort forderten die Bauern
vom Landvogt und Oberamtmann einen anderen Schultheißen und andere
Gerichtsvorsteher.

Auch das Gericht Kappel stand nicht zurück, und seine bewaffneten Bürger
brachten gleichzeitig mit den Sasbachern ihren gefangenen Schultheiß, der
durch einen Fenstersturz verletzt worden war. Da war es nur recht und billig
, daß auch die Bürger des Gerichts Ulm beim Oberamt neue Vorsteher
durchsetzten.

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