UB Freiburg, H 519,m
Die Ortenau: Zeitschrift des Historischen Vereins für Mittelbaden
69. Jahresband.1989
Seite: 514
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denen, die in diesen Tagen zurückblieben! Sie wurden den entmenschten Weibern überlassen.
Mit ausgebohrten Augen, abgehackten Gliedern und zum Verstümmeln noch geschändet,
wurde mancher deutsche Verwundete von den nachziehenden Truppen in der belgischen Hölle
wiedergefunden. Gnade kannte die deutsche Rache da nicht".

Auch für Fendrich war ,,Albion, das perfide", unser Erzfeind. Während der gallische Hahn
zwar allezeit ..überlaut auf dem Mist seiner faulen Kultur" gekräht habe, hätte England stets
die „vornehme Bestie" gespielt: .,Albion ist das Land der Niederträchtigen und das Paradies
der frommen Seeräuber".

Und dem Deutschen, der womöglich den Krieg als eine Strafe Gottes empfand, versicherte
er: „Wenn der Krieg auch keine Strafe für uns war, so dann vielleicht eine Gnade oder gar
eine Rettung! . . . Hart an dem Abgrund war Deutschland gestanden, in dessen Tiefen das
französische Volk schon halb versunken ist".

Man muß den Schmutz erst einmal zur Kenntnis nehmen, um ermessen zu können, was nach
dem Kriege an solchem völkerverhetzenden Schutt weggeräumt werden mußte. Daß Fendrich
beispielsweise sein Buch „Mit dem Auto an die Front" auch für eine Kinderbescherung an
Weihnachten 1917 für zweckdienlich hielt, erstaunt schon nicht mehr. Was er darin an Aufklärung
über ein europäisches Volk leistet, war sicherlich nicht geeignet, den Kindern ein Bild
christlicher Gesinnung zu vermitteln, die er für sich in Anspruch nahm. Da schrieb er erneut
über die Belgier: „Die Belgier sind Kinder. Große unartige Kinder mit dem Hang der Minderjährigen
zum Phantastischen und zum Grausamen". Was die belgischen Frauen betreffe,
so stünden diese für uns Deutsche „überhaupt an der Grenze des Schicklichen und des Gefallens
, das erlaubt ist". Offensichtlich wußte Fendrich, der einmal das Gastrecht Belgiens genossen
hatte, nichts davon, daß der schon zitierte deutsche Botschafter in Paris, Frh. v.
Schoen, eine Belgierin zur Frau hatte!

So recht weihnachtlich mögen wohl auch die Eltern der Beschenkten die Aufklärung Fend-
richs nicht finden, daß die käufliche Liebe sich in Belgien breiter mache als in irgendeinem
anderen Lande, so daß die deutschen Militärbehörden „mit erfreulicher Rücksichtslosigkeit
Konzentrationslager des Lasters geschaffen" habe. Das paßt ja nun auch in seine Feststellung:
„Aber ein Wort trifft auf das Volk in seiner Gesamtheit zu, ob es sich um Flamen oder Wallonen
, um Reiche oder Arme handelt. Das belgische Volk ist gewöhnlich".

5. Offenburg, eine Stätte der Humanität

Natürlich konnten die aufgeputschten nationalen Leidenschaften nicht immer
und überall die Gefühle der Menschlichkeit unterdrücken. Ungeachtet
solcher nicht zu verantwortenden Völkerverhetzung, von der übrigens die
„Leipziger Volkszeitung" im Mai 1915 nach Erscheinen des zweiten Kriegsbuches
von Fendrich entschieden abrückte: ,,Doch muß gesagt werden, daß
die Sozialdemokratie mit solcher Sorte Parteigenossen, die den Völkerhaß
predigen, nichts zu schaffen hat", setzte gerade die Stadt Offenburg während
des Krieges in einer Welt des Hasses Zeichen der Menschlichkeit, die ihr
zu besonderer Ehre gereichen und deshalb verdienen, beispielhaft hier festgehalten
zu werden.

Als die ersten Verwundeten aus den Gefechten im Oberelsaß eintrafen, wurden
die Franzosen, darunter Afrikaner, ebenso warm begrüßt und erquickt
wie die Deutschen. Am Bahnhof hatte man eine Verpflegungsstation für

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