UB Freiburg, H 519,m
Die Ortenau: Zeitschrift des Historischen Vereins für Mittelbaden
80. Jahresband.2000
Seite: 162
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Bernhard Littenweiler

Seit dem ausgehenden Mittelalter und in besonderem Maße seit dem
frühen 15. Jahrhundert findet man auf Friedhofsmauern, in Friedhofskapellen
, in Kirchen, in Handschriften und schließlich auch in gedruckten
Büchern eine Vielzahl von Totentanz-Darstellungen, die sich mit der Vergänglichkeit
menschlichen Lebens und folglich mit dem Tod befassen. Ein
Thema, das auch heute noch Künstler, Schriftsteller und Musiker in Bild,
Wort und Klang beschäftigt.

Einer der sehr frühen Totentänze des 15. Jahrhunderts wurde 1424 in
der Säulenhalle des Friedhofes der SS. Innocents, des Friedhofes der heiligen
Unschuldigen, in Paris gemalt. Es scheint so gut wie sicher, daß die
Holzschnitte in dem Buch La Danse macabre des Pariser Druckers Guyot
Marchant aus dem Jahre 1485 diesem berühmtesten aller Todestänze nachgebildet
wurden38. Auch in Basel entstand nach der Pestepidemie von 1439
an der Friedhofsmauer des Dominikanerklosters ein Totentanz, der um
1445 gemalt wurde. Von diesem Totentanz können wir uns nur noch durch
die Drucke von Matthaeus Merian von 1621 einen Eindruck verschaffen.

In der grundlegenden und umfassenden Veröffentlichung „Tanz und
Musik des Todes - Die mittelalterlichen Totentänze und ihr Nachleben"
zeigt Reinhold Hammerstein auf, wie vielfältig derartige Darstellungen
sind, und weist auf außergewöhnliche Ähnlichkeiten des Knoblochtzer-
schen Totentanzes mit dem Basler Totentanz und dem französischen Danse
macabre hin. So scheint der Text als Ganzes und nach seiner Form eine
deutsche Adaption der Französischen Danse-macabre-Dichtung zu sein.
Ein handschriftlicher Totentanz-Text, der sich in der Landesbibliothek
Kassel befindet und auf 1470 datiert wird, der also nach dem Totentanz
von Knoblochtzer geschrieben wurde, ist sogar weitgehend identisch mit
diesem. Eine frappierende Übereinstimmung - Haltung, Gestik, Musikinstrumente
- besteht auch mit den Zeichnungen in einer Handschrift des
Grafen Wilhelm Wernher von Zimmern um 1520, die in der Fürstenbergi-
schen Hofbibliothek in Donaueschingen aufbewahrt wird. Das komplizierte
gegenseitige Verhältnis zwischen den drei Totentänzen ist nicht einfach
zu klären, doch gehen sie möglicherweise alle drei auf eine gemeinsame
frühere Fassung zurück39.

Das Einzigartige an diesem Totentanz sind die wild tanzenden Totengerippe
, die mit den verschiedensten Instrumenten zum letzten Tanz aufspielen
. Diese Instrumente entsprechen im übrigen denen, die von den
Tanzkapellen der damaligen Zeit verwendet wurden40.

Die Bildfolge in diesem Totentanz ist ständisch geordnet. Der Reigen
wird, nach der einleitenden Aufforderung zum Eintritt in das Tanzhaus, die
sich an Herren und Knechte richtet, durch den Papst eröffnet. „Herr Papst,
Ihr müßt den Reigen anführen, allen voran". Danach folgen die kirchlichen
Würdenträger bis zum Abt. Dann kommen die vom Kaiser angeführten
Vertreter der weltlichen Macht. Zuletzt werden der Bürger und die Bürge-


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