UB Freiburg, H 519,m
Die Ortenau: Zeitschrift des Historischen Vereins für Mittelbaden
80. Jahresband.2000
Seite: 340
(PDF, 123 MB)
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Ludwig Uibel

auch Empfehlungen beigegeben, die die Bestrafung der Beschuldigten betrafen
. So wurde dem Amt nahegelegt, die Christine Schneider aus Gernsbach
auszuweisen, da man „diese freche und unzüchtige Person nicht mehr
in der Gemeinde haben wolle (1761)".

Die Witwe Kunigunde Koch, „die schon einen Haufen Bettelkinder
hat", wurde wieder schwanger. Sie „wäre der Ausweisung würdig", aber
als Landestochter wird man sie nicht los (1755). Ähnlich verhielt es sich
mit Rosina Gläser, „einer leichtsinnigen Person, die schon 3 uneheliche
Kinder hat, die der Gemeinde und dem Almosen"1*" zur Last fallen (1754).

Welche Rolle haben nun die unehelichen Kinder (ohne nachfolgende
Ehe) im demographischen Gesamtbild der Geburten gespielt? Eine jahrzehnteweise
Addition der unehelichen Geburten im gesamten Kirchspiel
ergibt folgendes Bild: 1752-59: 13 Geburten, 1760-69: 4 G„ 1770-79:
9G„ 1780-89: 15 G., 1790-99: 22 G., 1800-09: 18 G., 1810-19: 18 G.
Die Gesamtzahl der Geburten, (nur) in Lichtenau betrug: 1780-89: 298,
1790-99: 298, 1800-09: 313, 1810-1819: 326.9 Da die Bevölkerungszahl
von Lichtenau (650 im Jahre 1802)10 rund zwei Drittel des gesamten
Kirchspiels (1033)10 ausmachte, wären rechnerisch die Geburtenzahlen für
das gesamte Kirchspiel um 50% höher anzusetzen:

Geburten:



1780-89

1790-99

1800-09

1810-19

Geburtenzahl:

450

450

470

490

uneheliche Geburten:

15

22

18

18

Prozentualer Anteil









der unehlichen Geburten:

3%

4%

4%

4%

Der prozentuale Anteil der unehelichen Kinder alleinstehender Mütter
betrug also in der Zeit von 1780-1819 3 bis 4%. Das ist keine alarmierende
Zahl und läßt vermuten, daß die Sittenaufsicht des Presbyteriums
durchaus einen Beitrag zu diesem akzeptablen Ergebnis geleistet hat. Der
Anstieg der unehelichen Schwangerschaften von 3 auf 4 Prozent beim
Übergang von den 80ern in die 90er Jahre läßt sich leicht erklären. Die laufenden
Einquartierungen während der Koalitionskriege dürfte die Ursache
dieses Anstiegs gewesen sein, obwohl nur einmal „ein kaiserlicher Soldat"
als Vater angegeben wird. Die Anwesenheit von Truppen in den Jahren
1803, 1809 und 1815 erhöhte ebenso die Zahl der unehelichen Geburten
von 1-2 auf 4—6 pro Jahr. Bereits im Jahr 1747, als in Lichtenau eine
hanauische Grenadierkompanie lag", hatten von fünf unehelichen Kindern
drei Grenadiere zu Vätern.


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