UB Freiburg, H 519,m
Die Ortenau: Zeitschrift des Historischen Vereins für Mittelbaden
80. Jahresband.2000
Seite: 371
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Festung, Stadt und Dorf Kehl 1771 bis 1815: Aufstieg, Blütezeit und Untergang

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zwischen dem Fort und dem Hornwerk wurden Bauplätze für insgesamt 80
Häuser angeboten. Als besondere Anreize wurden den Baulustigen „die
Plätze gratis angewiesen, eine 8 bis 10jährige Schatzungsfreiheit versichert
" (Schätzung war die direkte Steuer auf die Häuser)42 und außerdem
„die auf eigene Kosten von denen Vestungs Werkern abzubrechenden Steine
ohnentgeltlich" überlassen. Auflagen waren lediglich die Einhaltung
der Baufluchten und „daß in denen Hauptstraßen kein einstöckiges Hauß
gebaut werde". Ein Verzeichnis der zwischen 1773 und 1784 neu gebauten
Häuser dokumentiert den Erfolg dieser Planung: 84 Bauwillige machten
Gebrauch von dem Angebot. Nach Berufen eingeteilt, wurde die Liste angeführt
von den Handwerkern (18), es folgten die Gastwirte (11), dann
kam das Kleingewerbe (10), die Kaufleute (9), die Schiffer (3), die Fabrikanten
(2) und einige vereinzelte wie der Amtsbott, ein Steinbrecher und
ein Fischer43.

In dem Zeitraum zwischen 1772 und 1774 ließen sich - soweit bekannt
- sieben Händler und Fabrikanten in der Festung und dem Hornwerk nieder
: Fabriken für Tapeten, Knopf- und Haushaltswaren, Seidenzeug, Band
und italienische Blumen, Puder und Stärke sowie eine Tabak- und Mehlmühle
entstanden44.

Auch den sowohl vom Handelsmann Schneider als auch von Rochebrune
geäußerten Bedenken wegen der mangelnden Sicherheit in Kehl wurde
Rechnung getragen, obwohl die Möglichkeiten zur Unterbringung der nach
Kehl abkommandierten Mannschaft äußerst begrenzt waren - so weit war
die Festung heruntergewirtschaftet und ihrem eigentlichen Zweck entfremdet
worden. Der 1773 nach Kehl geschickte Offizier und seine 30 Soldaten
wurden in der sogenannten Reutter-Kaserne im Hornwerk untergebracht.
Laut Anordnung erhielt der Offizier als Ranghöchster mehrere Zimmer, ein
Gärtchen und in Ermangelung von Kellern in der Kaserne ein kleines Gewölbe
in den Kasematten der Festung. Ein Zimmer wurde vorsorglich für
Kranke reserviert. Der Belegung der übrigen Zimmer, in denen meistens
vier Betten standen, wurde nach Ranghöhe und Familienstand vorgenommen
. Die Ranghöheren wie Feldwebel, Korporal und Gefreite erhielten genau
wie alle Verheirateten ein Einzelbett. Die Ledigen unter den einfachen
Soldaten mußten sich zu zweit ein Bett teilen. Die Einteilung der Kinder
blieb dem vorgesetzten Offizier „nach Gutbefinden" überlassen45. Beschränkt
waren in der Reutter-Kaserne auch die Kochmöglichkeiten. So
gab der Offizier in seinem Bericht an die Hofkammer zu bedenken, daß
sich „die sechs Feuerherde, auf welchen die Soldaten ihr Essen kochen
müssen, in keiner Küche, sondern auf einer offenen langen Galerie " befänden
und „bei dem geringsten Windstoß eine Feuersbrunst entstehen könnte
". Die zu Rate gezogenen Baumeister des Hornwerks hatten die Kochstellen
besichtigt und die Gefahr bestätigt. Aus den Akten geht aber leider
nicht hervor, ob oder in welcher Form auf die Warnung reagiert wurde.


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