UB Freiburg, H 519,m
Die Ortenau: Zeitschrift des Historischen Vereins für Mittelbaden
80. Jahresband.2000
Seite: 465
(PDF, 123 MB)
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„Lebt wohl, wir kehren siegreich wieder'

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einer Geldstrafe von 500 Mark verurteilt. Die Bürger sollen nicht mehr als
drei Mark dreißig für einen Liter Milch bezahlen, wird bei der Urteilsverkündung
bekannt gegeben. „Milchpantschereiprozesse" sind in den 20er
Jahren in Offenburg an der Tagesordnung, auch Überschreitungen von anderen
amtlich festgesetzten Höchstpreisen werden bestraft. Im Juli 1923
kosten eineinhalb Kilo Schwarzbrot 6600 Mark, ein Pfund Brotmehl darf
nicht mehr als 2350 Mark kosten. Doch wo die Preise täglich, bald stündlich
steigen, kann auch die Androhung von Strafe wenig ausrichten.

Offenburg läßt eigenes Geld drucken

1922 läßt Offenburg, wie die meisten deutschen Städte, eigenes Geld
drucken, Fünfmilliardenscheine, Zehner und Noten mit dem Aufdruck
„Zwanzigmilliarden" sind im Umlauf. Im Offenburger Tageblatt wird im
August 1923 die große Not jener Arbeitnehmer beschrieben, die mit Gutscheinen
bezahlt wurden, die entweder nicht überall einlösbar sind oder
schon nach wenigen Stunden nahezu wertlos geworden sind. Der Begriff
des „Geldfälschens" kam damals erklärlicherweise aus der Mode, und für
viele war die Inflation eine wunderbare Sache. Großindustrielle wurden
auf diese Weise ihre echten Millionenschulden los und erwarben für wertlose
Inflationsmilliarden echte Millionenobjekte.

Wie entstand die Inflation? Der Krieg hatte ungekannte Summen gekostet
, die Produktion lahmte, Güter waren rar. Zur gleichen Zeit kam viel
Geld in Umlauf, auch Frauen standen in den Munitionsfabriken und wurden
entlohnt. An wirklichen Dingen ärmer, an Geldscheinen reicher, traten
die Bürger und Bürgerinnen eine Flucht in die Sachwerte an. Es war eine
Zeit für Abenteurer jeglicher Couleur, wie der Aufstieg des Nationalsozialismus
zeigen wird.

Trommelwirbel und Jubel aus 5000 Kehlen:

Der Aufstieg der Nationalsozialisten erscheint auch in Offenburg

geradlinig, folgerichtig und unausweichlich

Am 5. Juli 1933 endet mit dem Wahlsieg der Nationalsozialisten ein Kapitel
deutscher Geschichte, das mit der Revolution von 1918/19 begann. „Es
lebe der totale Staat, die endgültige Nation", jubelt der „Anzeiger vom
Kinzigtal" auf der Titelseite von Donnerstag, 6. Juli 1933. Damit finde der
Aufruhr der 20er Jahre, finden Bürgerkrieg und Parteienstreit ein Ende,
meint das Blatt, das als „verbreitetste Tageszeitung im mittleren Kinzigtal"
firmiert. Anstelle von Partikularismus setze der Nationalsozialismus die
„Einheit der Stämme", statt Klassenkampf herrsche die „Gemeinschaft
der Stände", das „Führertum" trete an die Stelle „eigensüchtiger Parteigebilde
".


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