UB Freiburg, H 519,m
Die Ortenau: Zeitschrift des Historischen Vereins für Mittelbaden
83. Jahresband.2003
Seite: 107
(PDF, 99 MB)
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107

Die Reichsschule für Volksdeutsche in Achern/Illenau
1940-44

Arnulf Moser

Es dürfte wenig Schulen in Deutschland geben, die so gut erforscht sind
wie die Reichsschule für Volksdeutsche, die von 1940 bis 1944 in der Ille-
nau bei Achern eingerichtet war. Die dortige Heil- und Pflegeanstalt war
im Zuge der Euthanasieaktionen geräumt worden. In den Jahren 1990/91
sind an der Universität Innsbruck gleich zwei Magisterarbeiten über die
Schule in Achern entstanden. Beide Arbeiten beruhen nicht auf Archivstudien
, sondern auf Interviews mit Schülerinnen, Lehrerinnen und Unterrichtsleiterinnen
. Nachdem die Autorinnen Wieser und Mayr festgestellt
hatten, dass sie am gleichen Thema arbeiten, einigten sie sich darauf, die
Interviews mit den Schülerinnen in Südtirol regional aufzuteilen. Die Interviews
mit Lehrerinnen und Direktorinnen in Deutschland führten sie gemeinsam
, so dass die Ergebnisse der beiden Arbeiten nicht stark voneinander
abweichen.1

Nachdem die Achse Berlin - Rom 1936 die Zugehörigkeit Südtirols zu
Italien bestätigt hatte, mussten die deutschsprachigen Südtiroler 1939 in
relativ kurzer Zeit entscheiden, ob sie im italienischen Staat bleiben oder
nach Deutschland bzw. Österreich auswandern wollten. Das Land zerfiel in
„Dableiber" und „Geher" (Optanten). 86 % entschieden sich für die Option
Weggehen. Bis 1942 waren von 200.000 Optanten 74.000 ausgewandert,
von denen nach Kriegsende ein Drittel wieder nach Südtirol zurückkehrte.
Im Rahmen von Himmlers Zuständigkeit als Reichskommissar für die Festigung
deutschen Volkstums wurde in Südtirol die Amtliche Deutsche Ein-
und Rückwandererstelle (ÄDERST) eingerichtet.

Bis 1939 gab es in Südtirol deutschen Sprachunterricht nur heimlich in
den so genannten „Katakombenschulen". Ab 1940 wurde Sprachunterricht
für die Kinder der Optanten eingerichtet, den im Auftrag der Abteilung
Kultur (Helmut Altpeter) der ÄDERST die Arbeitsgemeinschaft der Optanten
für Deutschland (AdO) organisierte. Allerdings durften keine
deutschsprachigen Oberschulen gegründet werden. Aus diesem Grunde bereitete
die AdO die Auswahl und die Ausreise von Optantenkindern in die
neuen Schulen für Volksdeutsche in Achern/Illenau für Mädchen und in
Rufach im besetzten Elsass vor. Die Heil- und Pflegeanstalt Rufach war
1939 bei Kriegsausbruch von den Franzosen geräumt worden. Die neuen
Schulen wurden vom Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und
Volksbildung eingerichtet, hier sollten die Südtiroler auf den Besuch deutscher
Oberschulen vorbereitet werden.2


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