UB Freiburg, H 465,da
Schau-ins-Land: Jahresheft des Breisgau-Geschichtsvereins Schauinsland
103.1984
Seite: 149
(PDF, 32 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/schauinsland1984/0151
„Die Reichskristallnacht" in Freiburg

Von

Ernst Otto Bräunche

Am 1. April 1933, zwei Monate nachdem Adolf Hitler zum Reichskanzler des
Deutschen Reiches ernannt worden war, forderte die Freiburger Parteizeitung der
NSDAP „Der Alemanne" ihre Leser unter der Schlagzeile Schlagt den Weltfeind zur
Beteiligung an dem reichsweiten Boykott jüdischer Geschäfte, Ärzte und Rechtsanwälte
auf, obwohl ein ähnlicher Aufruf vom 11. März in Freiburg nur wenig Erfolg
hatte.1 Gleichzeitig kündigte die bereits seit Oktober 1931 bestehende Zeitung an:
Wir werden dieses Judentum bekämpfen bis zu seiner Vernichtung!1

Diese Boykottaufrufe waren auch in Freiburg der vergleichsweise noch harmlose
Auftakt des angekündigten Kampfes bis zur Ausrottung des erklärten rassenideologischen
Gegners der Nationalsozialisten. Es folgte zunächst die schrittweise
Ausschaltung der Juden im Bereich des öffentlichen Dienstes, zu der das „Gesetz
zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" vom 7. April 1933 reichsweit die
Grundlage bot. In Baden aber hatten die nationalsozialistischen Zeitungen bereits
einen Tag zuvor Judenfreie Behörden gemeldet, da der badische Reichskommissar,
Gauleiter Robert Wagner, schon am 5. des Monats die Entlassung aller jüdischen
Beamten angeordnet hatte.3

In der folgenden Zeit wurden zudem die diskriminierenden antisemitischen
Zeitungsartikel immer zahlreicher. „Der Alemanne" berichtete z.B. über die erste
Freiburger Bürgerschaftssitzung nach dem erzwungenen Rücktritt des alten Oberbürgermeisters
Bender, daß sich der Freiburger Kaufmann Simon Strauß erfrecht
hatte, ebenfalls unter den Gästen zu erscheinen, anstatt reumütig über seine Sünden
in der Synagoge nachzudenken. Der Jude fiel schon von hinten durch seinen typisch
asiatischen Kopf auf4 Simon Strauß wurde sofort in Schutzhaft genommen, als er
anläßlich der Ehrung des Reichspräsidenten Hindenburg, des neuen Reichskanzlers
Hitler und des badischen Reichsstatthalters und Gauleiters Wagner sitzen blieb,
wozu „Der Alemanne" bemerkte: Wenn es schon eine echt jüdische Frechheit war,
in dieser Versammlung zu erscheinen, so bedeutet letzte Handlungsweise den Gipfel
jüdischer Überheblichkeit und Dreistigkeit. Bei der Festnahme jammerte das kleine
Jüdlein und versuchte sich herauszureden, daß ein körperliches Gebrechen ihn
daran gehindert habe aufzustehen. Diese jüdischen Lügentricks verfangen jedoch
heute nicht mehr bei der deutschbewußten Polizei.5

Nur zwei Jahre später wurde diese Diskriminierung jüdischer Bürger auch aus-

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